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Rise and Fall of SanDisk: Chance nach dem Crash?

  • Autorenbild: Thomas Hartz
    Thomas Hartz
  • 30. Juli
  • 6 Min. Lesezeit
SanDisk-Crash

Vor einem Jahr notierte die Aktie von SanDisk bei gut 40 USD. Was ab dann folgte, passiert nur an der Börse: Die Aktie stieg im Sog des KI-Memory-Hypes bis Ende Juni diesen Jahres auf in der Spitze 2.354 USD. In Prozent ausgedrückt – 5.785 Prozent – in absoluten Zahlen: aus 10.000 USD wurden innerhalb eines Jahres über 588.000 USD. Seit dem 22. Juni allerdings ging es bis heute über 55 Prozent bergab, in gerade mal einem Monat. Auch die außerordentlich beeindruckenden Quartalszahlen von Konkurrent SK Hynix haben den Verfall nicht aufhalten können.


Ein Kurssturz dieser Größenordnung weckt naturgemäß Begehrlichkeiten gerade bei solch einer ehemaligen High-Flyer-Aktie im KI/Memory-Sektor. Der pawlowsche Reflex vieler Marktteilnehmer flüstert unweigerlich: Schnäppchen! Schließlich notiert das Papier mit aktuell rund 1.015 USD weit unterhalb des Rekordhochs, man kann sogar tatsächlich von einem Crash sprechen. Doch bevor man nun euphorisch ins sprichwörtlich fallende Messer greift, lohnt ein nüchterner Blick unter die Motorhaube der vermeintlichen Okkasion. Welche fundamentalen Gründe gibt es, die einen derartigen Absturz rechtfertigen – und wie positioniert sich das Smart Money am Optionsmarkt?


Bewertungs-Wunder? Morningstars Warnung bewahrheitet sich


Schon Anfang Juni, als der Kurs noch unaufhaltsam schien, warnte Morningstar davor, dass SanDisk keine echte „Economic Moat“ (also keinen wirtschaftlichen Burggraben) besitzt, da Speicherchips letztlich immer ein Commodity-Produkt bleiben. Sie gaben der Aktie einen fairen Wert von nur 1.000 USD – zu einem Zeitpunkt, als der Markt 1.600 USD und später sogar über 2.300 USD bezahlte.


SK Hynix-Schock: Wenn Analysten den Stecker ziehen


Am 13. Juli gab es ein echtes Beben in der Speicherbranche: Ein südkoreanisches Analysehaus kappte die Schätzungen für den Konkurrenten SK Hynix, was dort für den historisch größten Tagesverlust sorgte. SanDisk zog es als hochzyklischen „High Beta“-Wert (also den Wert mit der stärksten Hebelwirkung im Sektor) direkt mit nach unten – an diesem Tag war SanDisk mit einem Minus von über 12 Prozent der schwächste Titel im gesamten Markt.


Der China-Faktor: Wenn staatlich gestützte Konkurrenz den Markt flutet


Am Dienstag dieser Woche gab es den nächsten massiven Einschlag: Die Aktie stürzte zeitweise um über 14 Prozent ab. Der Auslöser? Das chinesische Unternehmen CXMT (ChangXin Memory Technologies) treibt seinen IPO voran und positioniert sich ganz offen als Lösung für das weltweite Speicher-Defizit. Die Sorge der Wall Street: China flutet den Markt mit günstigen Chips, was die Traum-Margen von SanDisk sofort schmälern würde.


Zwischenfazit SanDisk: Rückflug zur Erde


Fundamental betrachtet holt die Speicherchip-Branche gerade die Realität ein. Der viel zitierte KI-Superzyklus verdeckt oft die Tatsache, dass Memory-Chips am Ende des Tages ein zyklisches Massengeschäft bleiben. Mit dem drängenden Markteintritt staatlich subventionierter chinesischer Konkurrenz wie CXMT droht der Branche eine regelrechte Angebotsschwemme. Ob diese neue Wettbewerbssituation durch den bisherigen Kursverlust bereits vollständig eingepreist ist, bleibt reine Spekulation. Echte Orientierung bringt hier erst der Blick auf den Chart und die aktuelle Positionierung des Smart Money am Optionsmarkt:


SanDisk-Chart: Offene Gaps zwischen 700 und 800 USD


Aktuell notiert SanDisk deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt (EMA), und die Abwärtsbewegung hat insbesondere in den letzten Tagen noch einmal spürbar an Dynamik gewonnen. Die erste charttechnische Unterstützung wäre das Gap-Close bei rund 1.000 USD, das im gestrigen Handelsverlauf auch angesteuert wurde. Allerdings wartet etwas tiefer, in der Zone zwischen 700 und 800 USD, noch eine weitere, massive Gap-Zone darauf, geschlossen zu werden.


Gleichzeitig ist am Dienstag dieser Woche eine neue Kurslücke entstanden, diesmal auf der Abwärts-Seite. Da bereits beim Höhenflug der Aktie im Mai exakt dieser Kursbereich als Gap offen blieb, steht die gesamte „Bergspitze“ des Charts ab ca. 1.190 USD nun buchstäblich in der Luft. Ein Rücklauf der Aktie in genau diese obere Kurslücke wäre ein äußerst wahrscheinliches Szenario – und sei es nur als technische Gegenreaktion auf die starken Verkäufe der vergangenen Tage. Ob diese charttechnischen Niveaus jedoch auch vom Smart Money unterstützt werden, zeigt erst der Blick in die Options-Register von SanDisk für den kurzfristigen und die beiden folgenden Monats-Verfälle:


SanDisk-PCWall

 


SanDisk am Optionsmarkt: Unterstützung- und Widerstandszonen


Wer darauf hofft, dass die 1.000-USD-Marke hält, orientiert sich an sehr kurzfristigen Niveaus. Ein Blick auf den anstehenden Wochenverfall am 31. Juli zeigt zwar ein erhöhtes Put-Volumen (Open Interest) bei 1.100 und 1.000 USD (mit knapp 8.000 bzw. rund 4.400 Kontrakten). Doch diese kurzfristigen Absicherungen stellen kein tragfähiges Fundament für einen Trendwechsel dar.


Die wirkliche Architektur am Optionsmarkt für die kommenden Wochen offenbart sich in den großen, strukturellen Monats-Verfallsterminen im August (21.08.) und September (18.09.). Hier positionieren sich die institutionellen Akteure, und das Bild ist unmissverständlich: Die großen Volumina liegen deutlich tiefer. Für den August-Verfall formieren sich am Optionsmarkt die drei größten Put-Mauern exakt bei 800, 850 und 700 USD. Allein in der Zone zwischen 700 und 800 USD kumuliert sich ein massiver Block von fast 10.200 offenen Put-Kontrakten.


Für den September-Verfall bestätigt sich diese Niveaubildung nahtlos: Die absolute Spitzenkonzentration liegt hier mit knapp 2.600 Kontrakten präzise auf der 800-USD-Marke, flankiert von einem weiteren signifikanten Block bei 750 USD.


Auch auf der Oberseite ist das Risiko klar quantifizierbar. Sollte die Aktie eine technische Gegenreaktion starten, um die „Bergspitze“ ab 1.190 USD zu testen, wartet unmittelbar bei 1.200 USD eine markante Call-Wall (mit über 1.300 offenen Kontrakten im Juli und stabilen Aufbauten in den Folgemonaten). Dieser Widerstand deckelt den Kurs und dürfte von Stillhaltern genutzt werden, um Aufwärtsversuche konsequent abzuverkaufen. Selbst wenn die erste Widerstandslinie bei 1.200 USD durchbrochen werden sollte, ist der Weg nach oben massiv versperrt. Der Blick auf die höheren Strike-Level zeigt: Im Juli-Verfall türmen sich bei 1.400 und 1.500 USD Call-Mauern von knapp 3.900 respektive über 4.400 Kontrakten auf. Für den August-Termin manifestiert sich die nächste Barriere am Optionsmarkt bei 1.600 USD mit knapp 3.400 offenen Calls. Der aktuelle Kurs um 1.015 USD hängt somit im luftleeren Raum – mit einer massiven Decke darüber und dem eigentlichen Fundament weit darunter.


Die Gamma-Rutsche am Optionsmarkt: Warum der Absturz sich selbst nährt


Warum verläuft die Abwärtsbewegung so dynamisch? SanDisk befindet sich derzeit mitten in einem tiefen negativen Gamma-Regime (Negative Net Gamma Exposure).

Für Market Maker erzwingt dieses Umfeld ein strikt prozyklisches Handeln: Fällt der Kurs weiter, müssen sie zur Absicherung ihrer Bücher zusätzlich Aktien leerverkaufen. Jede Abwärtsbewegung nährt sich dadurch selbst und gewinnt an Fahrt. Das erklärt auch die extrem hohe Volatilität der letzten Tage.


Eine natürliche Dämpfung durch den Optionsmarkt existiert erst ab dem Gamma-Flip bei rund 1.600 USD. Erst oberhalb dieser Schwelle dreht die Positionierung der Market Maker in den positiven Bereich, wo sie antizyklisch als Kursstabilisatoren wirken. Unterhalb von 1.600 USD bleibt jeder Erholungsversuch vorerst nur eine kurze Atempause auf der Rutschbahn nach unten.


Das Put-Magnetfeld und die erzwungene Bodenbildung


Das Ziel dieses Abwärtsstrudels lässt sich recht präzise eingrenzen: Es ist die Put-Konzentration im Bereich zwischen 700 und 850 USD.


Auf den Marken von 800 und 850 USD bündelt sich eine gewaltige negative Gamma Exposure. Im negativen Gamma-Regime wirkt dieser Kursbereich wie ein starker Magnet: Das prozyklische Hedging zieht den Kurs regelrecht an diese Niveaus heran, da der erzwungene Verkaufsdruck auf ein ohnehin ausgedünntes Orderbuch trifft.

Erst wenn die Aktie in diesem tiefen Kursbereich ankommt, setzt der eigentliche Stabilisierungsmechanismus am Optionsmarkt ein: Institutionelle Anleger schließen ihre tief im Plus stehenden Puts und realisieren ihre Buchgewinne (Put Monetization). Mit der Auflösung dieser Optionen fällt für die Market Maker die Notwendigkeit ihrer Short-Hedges weg. Sie sind gezwungen, ihre enormen Leerverkaufspositionen im Basiswert einzudecken (Short Covering).


Nicht die Hoffnung vorschneller Schnäppchenjäger schafft hier also den Boden, sondern das gigantische Eindecken der Market Maker an der Put-Wall gießt das Fundament bei 700 bis 850 USD.


Trader-Fazit: Erst der Goldene Schnitt bringt das Setup


Der Reflex, nach einem Absturz von 55 Prozent unüberlegt ins fallende Messer zu greifen, ist menschlich – aus markttechnischer Sicht jedoch fahrlässig. Das aktuelle Niveau um 1.015 USD bietet weder charttechnisch noch seitens der Positionierungen am Optionsmarkt ein verlässliches Fundament.


Bären im Vorteil: Solange die Aktie unterhalb der Call-Wall bei 1.200 USD und weit unter dem Gamma-Flip (1.600 USD) handelt, bleibt das Bias klar abwärtsgerichtet. Kurze Gegenreaktionen in die obere Kurslücke (1.190 USD) bieten im aktuellen Umfeld eher Gelegenheit für Absicherungen als für nachhaltige Käufe.


Warten auf den Goldenen Schnitt: Ein antizyklisches Long-Setup wird erst dann attraktiv, wenn der Kurs den Bereich zwischen 700 und 850 USD ansteuert. Exakt hier entsteht die perfekte Deckungsgleichheit: Das Schließen der tiefen charttechnischen Kurslücke trifft auf die massive Akkumulationszone des Optionsmarktes.


Wer diszipliniert wartet, bis der Kurs in diese Auffangzone eintaucht und die Market Maker durch Eindeckungen am Optionsmarkt für Stabilität sorgen, stellt sich nicht gegen den Trend – sondern handelt auf der Seite des Smart Moneys.


Rechtlicher Hinweis & Haftungsausschluss: Die Options-Daten wurden mit Unterstützung von Gemini Pro analysiert. Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Investitionen am Optionsmarkt sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Daten ist ausgeschlossen. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (Schlusskurs 29. Juli).


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