SpaceX vor dem Lock-up-Herbst: Absturz oder Orbit?

Während die SpaceX-Aktie (SPCX) nach ihrem tiefen sommerlichen Tauchgang eine deutliche Erholung zeigte und den Ausgabepreis zurückeroberte, rollt auf Elon Musks Raumfahrt-Konzern die nächste echte Bewährungsprobe zu. Weitere Lock-up-Releases in einem straff getakteten Emissionskalender machen bis zum Jahresende Millionen von SpaceX-Aktien zusätzlich handelbar.
Droht der Notierung nun der späte Absturz unter das IPO-Niveau, oder formiert sich hinter den Kulissen bereits der nächste Treibsatz für einen Ausbruch in Richtung neuer Höchststände? Ein Blick auf den Kalender der Haltefristen und die überraschend aggressive Positionierung des institutionellen Kapitals am Optionsmarkt liefert die Antwort.
Der Lock-up-Fahrplan: Millionen neue SpaceX-Aktien suchen Abnehmer
Nachdem der erste große Lock-up-Release im August den Kurs temporär bis auf 105 USD drückte, beginnt ab Ende September die nächste Etappe des gestaffelten Ausstiegs für Frühinvestoren und Mitarbeiter. In kurzen, zweiwöchigen Abständen öffnet sich das Handelsfenster im Herbst gleich dreimal hintereinander für jeweils kleinere Tranchen, bevor unmittelbar nach den anstehenden Q3-Quartalszahlen der eigentliche Härtetest folgt: Hier darf mit einem Schlag mehr als ein Viertel aller bislang blockierten Papiere auf den Markt geworfen werden. Den Schlusspunkt setzt schließlich Anfang Dezember die endgültige Freigabe aller verbleibenden Anteile. Binnen knapp elf Wochen drängt damit eine gewaltige Flut an neu handelbarem Material an die Börse – und stellt den Kassa- und den Optionsmarkt vor die Kernfrage, wer willens und liquide genug ist, dieses permanente Angebot auf aktuellem Niveau aufzusaugen.
Rückblick: Go-Around bei 105 USD
Vor den Q2-Zahlen und dem ersten Lock-up-Release hatte die Optionsanalyse den Bereich zwischen 100 und 105 USD als maßgebliches Fundament definiert. Die dort massiv platzierten Cash-Secured Puts fungierten als institutionelles Fangnetz: Der Kurs markierte sein Tief exakt bei 105,19 USD und startete eine dynamische Erholung.
Mit dem jüngsten Anstieg bis auf rund 158 USD hat die Aktie nicht nur den IPO-Ausgabepreis souverän zurückerobert, sondern sie notiert auch deutlich über der damaligen Call-Widerstandszone zwischen 125 und 135 USD. Dieser knapp 50-prozentige Anstieg in nur 30 Handelstagen ist durchaus ein Zeichen von Stärke, vor allem, weil der Markt bisher mehr seitwärts korrigiert und größere Kurseinbrüche ausblieben. Aktuell steht SpaceX bei knapp 152 USD, im kurzfristigen 4-Stunden-Chart balanciert die Notierung aktuell in einer engen Spanne zwischen 149 und 158 USD. Da bei 149 USD der zentrale Gamma-Flip liegt, ist diese Marke eine entscheidende Trennlinie der Marktmechanik:
Oberhalb von 149 USD federn Market Maker Ausschläge ab und stabilisieren den Markt (positives Gamma). Unter 149 USD handeln die Algorithmen prozyklisch und beschleunigen die Bewegung.
SpaceX-IPO-Kurs als Unterstützung
Sollte die 149-USD-Marke unter dem Verkaufsdruck der anstehenden Tranchen nachgeben, öffnet sich eine Rutschbahn zurück zum IPO-Preis bei 135,18 USD. Dort liegt das primäre Sicherheitsnetz des Optionsmarktes: Das Orderbuch für die Monatsverfälle im Oktober und Dezember weist bei 135 USD kumuliert über 94.000 Put-Kontrakte auf – eine massive Position, die mit dem historischen Ausgabepreis exakt deckungsgleich ist. Zudem wurden insbesondere in den letzten Handelstagen große Put-Volumina auf dem 115- und 120-USD-Strike gehandelt, sodass die Aktie nach unten hin gut abgesichert ist. Aber auch auf der Call-Seite gab es außergewöhnliche Handelsaktivitäten, die eine detaillierte Time-&-Sales-Analyse erfordern, um die interessante Frage zu beantworten: Steht ein Ausbruch nach oben bevor oder doch ein Rutsch in Richtung der Jahrestiefststände?
Das Orderbuch-Rätsel: Warum kauft jemand 172,50er-Calls?
Der primäre Call-Widerstand am Optionsmarkt liegt aktuell beim 160-USD-Strike mit der größten Net-Gamma-Exposure (GEX), hier ist der Brems- und Widerstandseffekt der Market Maker am stärksten. Bei der Analyse der Time-&-Sales-Mikrostruktur fällt aber ein Strike sofort ins Auge: Der 172,50-USD-Call für den Oktober-Verfall verzeichnete eine plötzliche Volumenexplosion auf über 14.700 Kontrakte, nachdem zuvor kein einziger Kontrakt an offenem Interesse existierte. Ein Blick auf die Transaktionsdetails zeigt, dass knapp 70 Prozent dieses Volumens aggressiv in den Briefkurs (Ask) oder die obere Spanne gekauft wurden. Noch deutlicher wird dieses Bild im Dezember-Verfall:
Am 180- und am 200-USD-Call wurden Tausende Kontrakte gehandelt, wovon die größten Transaktionen kompromisslos zum Ask über den Tisch gingen. Das sind direktionale Wetten auf steigende SpaceX-Kurse, keine covered-Call-Verkäufe. Hier werden keine Stillhalter-Prämien vereinnahmt und keine Widerstände hochgezogen. Hier akkumuliert großes Kapital gezielt weit aus dem Geld liegende Kaufoptionen.
Absicherung gegen Kassa-Shorts oder gezielte Gamma-Rampe?
Für diese asymmetrische Positionierung gibt es zwei plausible Erklärungen:
Der Tail-Risk-Hedge professioneller Leerverkäufer: Großanleger, die im Kassa-Markt bei SpaceX auf einen Rücksetzer in Richtung der 135-USD-Linie spekulieren, sichern sich gegen unliebsame Überraschungen ab. Sollte Elon Musk zeitgleich mit den Aktienfreigaben spektakuläre neue Verträge oder technologische Durchbrüche präsentieren, begrenzen die günstig erworbenen 172,50er- und 180er-Calls das Verlustrisiko einer Short-Position absolut verlässlich.
Die Vorbereitung eines Gamma-Squeezes: Indem Marktteilnehmer massiv Call-Open-Interest in den oberen Etagen aufbauen, zwingen sie die Market Maker auf die Short-Seite dieser Kontrakte. Sollte es den Käufern gelingen, die etablierte Call-Wall bei 160 USD zu überwinden, mutieren diese OTM-Calls von einer Spekulation zu einer markttechnischen Gamma-Rampe. Die Algorithmen müssten mit steigendem Kurs immer aggressiver SpaceX-Aktien zukaufen, um ihr Delta abzusichern – die mögliche Aktienflut aus dem Lock-up würde schlicht absorbiert.
Der 250-Millionen-Dollar-Coup im Juni-Verfall 2027
Eine weitere Anomalie im Orderbuch des Optionsmarktes ist eine Spekulation im Juni-Verfall 2027, die sich aufgrund der absoluten Synchronität als Bullish Risk Reversal deuten lässt und am 21. September in das Orderbuch einschlug:
Der Put-Verkauf (Die Finanzierung): Anstatt sich abzusichern, hat eine Großadresse in einer einzigen Transaktion 15.800 Put-Kontrakte (Strike 120 USD) auf der Geldseite (Lean Bid) zu 10,50 USD verkauft. Dieser massive Stillhalter-Auftrag generierte eine sofortige Prämieneinnahme von exakt 16,59 Millionen USD.
Der Call-Kauf (Der Hebel): In der exakt selben Sekunde wurden auf der Oberseite (Strike 230 USD) zwei Blöcke von 9.000 und 5.000 Kontrakten (insgesamt 14.000 Calls) auf der Briefseite (Lean Ask) zu 11,32 und 11,33 USD gekauft. Die Kosten für diese Out-of-the-Money-Spekulation beliefen sich auf 15,85 Millionen USD.
Diese institutionelle Adresse hat sich ihre extrem bullische SpaceX-Positionierung effektiv bezahlen lassen. Durch den massiven Leerverkauf der tiefen Puts zur Finanzierung der Calls verbleibt dem Akteur ein sofortiger Netto-Prämienüberschuss von rund 737.000 USD.
Das Fazit ist unmissverständlich: Das Smart Money versichert hier kein Kassa-Portfolio gegen einen Kurssturz. Stattdessen ziehen diese Akteure bei 120 USD ein tiefes Fundament ein, indem sie sich vertraglich verpflichten, im Falle eines extremen Lock-up-Bebens 1,58 Millionen SpaceX-Aktien zu 120 USD abzunehmen (Sie haben die Puts verkauft!). Im Gegenzug hebeln sie sich auf der Oberseite ein, um von einer potenziellen Kursexplosion weit über die 230-USD-Marke bis zum Sommer 2027 maximal zu profitieren. Wer eine solche Statik in das Orderbuch baut, fürchtet die Aktienflut der kommenden Monate nicht, sondern bewertet sie als die finale Laderampe vor dem Ausbruch.

Fazit SpaceX: Buy the Dip bei 135 USD oder Breakout über 161,50 USD
Die Marktstruktur vor dem ersten Herbst-Release zeichnet ein klares Handlungsfeld:
Der aktuelle Kursbereich um 151 bis 152 USD bietet ein ungünstiges Chance-Risiko-Verhältnis für Neueinstiege, da die Fallhöhe bis zum Gamma-Flip bei 149 USD minimal ist. Solange der SpaceX-Kurs oberhalb von 149 USD verweilt, bleibt die Spekulation auf die obere Rampe intakt. Ein Bruch der Marke dürfte jedoch den schnellen Test der 135-USD-Linie einleiten.
Für besonnene Anleger markiert die Marke von 135 USD (IPO-Kurs) das primäre Akkumulationsniveau. Dort trifft die fundamentale Bewertung auf eine starke Put-Wall im Optionsmarkt. Wer hingegen auf die Fortsetzung des Höhenflugs setzt, wartet das nachhaltige Überwinden der 160-USD-Widerstandszone ab – erst ab 161,50 USD greift die Zündschnur der aggressiv aufgebauten Call-Positionen am Optionsmarkt.
Rechtlicher Hinweis & Haftungsausschluss: Die Optionsdaten wurden u. a. mit Unterstützung von KI-Tools (Gemini) ausgewertet. Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Investitionen am Optionsmarkt sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Daten ist ausgeschlossen. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (Schlusskurs 21. September).



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