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Trump Media (DJT): Der Patient ist tot, das Casino geöffnet

  • Autorenbild: Thomas Hartz
    Thomas Hartz
  • vor 1 Tag
  • 6 Min. Lesezeit
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Midterms-Vorschau: Warum die Spekulation bei Trump Media (DJT) trotz schlechter Geschäftszahlen weiterläuft


Stellen Sie sich ein Unternehmen vor, das im letzten Jahr rund 4,5 Millionen Dollar Umsatz gemacht hat – und trotzdem mit knapp 2,7 Milliarden Dollar bewertet wird. Ein Unternehmen, dessen Aktie seit dem Hoch über 45 Prozent verloren hat, dessen Verluste in die Hunderte Millionen gehen und dessen Geschäftsmodell im Kern aus einer Social-Media-Plattform mit überschaubarer Reichweite besteht. Und trotzdem stapeln sich in den Optionsmärkten bei einem aktuellen Kurs um 10 USD Zehntausende von Call-Kontrakten auf Kurse von 15, 20 oder sogar 25 USD. Die implizite Volatilität liegt dauerhaft im dreistelligen Bereich, das Beta zum S&P500 beträgt über 4. Willkommen bei Trump Media & Technology Group – Ticker: DJT. Einer der faszinierendsten und absurdesten Fälle am US-Aktien- und Optionsmarkt.


Bei den anstehenden Midterms am 3. November sieht es für die Republikaner und den amtierenden Präsidenten laut aktuellen Umfragen und Hochrechnungen derzeit wenig erfreulich aus. Sollte sich dieses Bild bis zum Wahltag nicht noch grundlegend drehen, droht Donald Trump der Verlust der Mehrheit in einem oder beiden Häusern des Kongresses. Für die Aktie von Trump Media wäre das mehr als nur eine politische Niederlage: Ein Großteil der aktuellen Bewertung speist sich nicht aus dem operativen Geschäft, sondern aus dem „Trump-Premium“ – der Erwartung, dass die Nähe zum Präsidenten und dessen politische Schlagkraft dem Unternehmen dauerhaft Rückenwind verleihen. Ein deutlicher Midterm-Rückschlag könnte genau dieses Narrativ empfindlich treffen und den ohnehin fragilen Kurs zusätzlich unter Druck setzen. Was der Optionsmarkt daraus macht, ist Gegenstand der folgenden Analyse.


Trump Media (DJT) – der fundamentale Realitätscheck


Der fundamentale Realitätscheck fällt bei Trump Media ernüchternd aus. Die Aktie notiert derzeit bei knapp 9,64 Dollar – ein Minus von rund 27 Prozent seit Jahresbeginn und knapp 47 Prozent auf Sicht von zwölf Monaten. Vom 52-Wochen-Hoch bei etwa 18 bis 19 Dollar hat sie damit bereits deutlich mehr als die Hälfte verloren. Misst man vom post-Merger-Hoch am 26. März 2024, liegen die Verluste sogar bei knapp 88 Prozent.


Noch krasser wirkt der Vergleich mit dem operativen Geschäft: Bei einer Marktkapitalisierung von rund 2,7 Milliarden Dollar erzielte das Unternehmen in den letzten zwölf Monaten gerade einmal etwa 4,5 Millionen Dollar Umsatz. Die Verluste gehen gleichzeitig in die Hunderte Millionen – stark getrieben durch Wertschwankungen bei den Bitcoin- und Digital-Asset-Beständen sowie hohe operative Kosten. Im Kern verdient Trump Media sein Geld mit der Social-Media-Plattform Truth Social und dem Streaming-Angebot Truth+. Beides generiert bislang nur marginale Erlöse. Die Bewertung steht damit in einem absurden Missverhältnis zur tatsächlichen Ertragskraft – ein klassisches Beispiel dafür, wie stark politische Narrative und spekulative Fantasie die fundamentalen Realitäten überdecken können.


Trump Media und der Optionsmarkt: Die Spekulationsmaschine


Was sich in den Orderbüchern bis zum Jahresende abspielt, ist pure, destillierte Zockerei. Über fast alle regulären Laufzeiten hinweg (September, Oktober, Dezember) notiert das Put/Call-Ratio nach Open Interest bei extremen Werten um 0,24 bis 0,25. Damit wird das kritische „Greed Limit“ (ein PCR unter 0,50) auf täglicher Basis konstant deutlich unterschritten. Ein derart einseitiger Optionsmarkt ist ein Warnsignal: Spekulative Anleger wetten blind auf explodierende Kurse, während nach unten kaum noch Absicherungen (Puts) nachgefragt werden.


Der Optionsmarkt preist dieses asymmetrische Risiko fürstlich ein, die implizite Volatilität (IV) für die hochfrequentierten Out-of-the-Money-Calls liegt dauerhaft jenseits der 100-Prozent-Marke.


September und Dezember: Teure Lotterietickets


Die Spekulation gipfelt im unmittelbaren September-Verfall: Hier türmt sich eine gigantische Call-Wall bei 25 USD mit über 27.000 offenen Kontrakten auf – ein Zielniveau, das fast 150 Prozent über dem aktuellen Kurs liegt. Die implizite Volatilität für diesen Strike notiert bei horrenden 179 Prozent.


Im Dezember-Verfall wiederholt sich dieses Muster mit einer weiteren massiven Call-Wall beim 25-USD-Strike (über 11.400 Kontrakte). Hier werden keine strategischen Positionen aufgebaut, sondern überteuerte Lotterietickets gehandelt, deren Prämien am Ende mit höchster statistischer Wahrscheinlichkeit in den Taschen der Stillhalter landen.


November: Der Put-Fallschirm für die Midterms


Erst im November-Verfall (20. November) – der ersten Laufzeit nach den Midterms am 3. November – verschiebt sich die Statik am Optionsmarkt signifikant. Zwar dominieren auch hier noch spekulative Call-Walls bei 15, 18 und 20 USD, doch plötzlich wird ein tiefer doppelter Boden eingezogen. Das Put/Call-Ratio verdoppelt sich beinahe auf 0,46. Auf der Unterseite werden massive Put-Wälle bei 8 USD (über 12.800 Kontrakte) und 5 USD (über 9.100 Kontrakte) hochgezogen.


Dieses Muster ist auffällig: Während für die restlichen Monate hemmungslos nach oben spekuliert wird, spannt das Smart Money exakt für den Monat der Zwischenwahlen am Optionsmarkt Put-Fallschirme im einstelligen Kursbereich auf. Die Akteure wissen genau, dass ein politisches Beben bei den Midterms jener fundamentale Nadelstich sein könnte, der diese gigantische Bewertungsblase ohne Vorwarnung platzen lässt.


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DJT und der Optionsmarkt: Zwei Szenarien im Orderbuch


Eine einseitige Call-Positionierung muss nicht zwangsläufig das Warnsignal einer überkochenden Spekulation mit Blow-off-Top-Gefahr signalisieren, denn theoretisch kann es sich hier auch um das Konstrukt einer gezielten Call-Ladder (Leiter nach oben) handeln.


In diesem Fall nutzt das institutionelle Kapital die hohen Volatilitäten, um strukturierte Trades (beispielsweise vertikale Call-Spreads) aufzubauen. Diese Staffelung nach oben zielt darauf ab, bei einem überraschenden Momentum-Wechsel (etwa durch günstige Umfragewerte vor den Midterms) eine Kettenreaktion auszulösen. Überwindet der Kurs die ersten Stufen, geraten die Market Maker in Zugzwang und müssen prozyklisch Aktien kaufen, um ihr Delta-Risiko abzusichern. Ein solcher Short-Gamma-Squeeze würde den Kurs über die vorbereiteten Leiter-Stufen impulsiv nach oben ziehen.


Um das zu klären, muss man der Frage nachgehen, wer diese Call-Optionen kauft. Sind es große institutionelle Blocktrades oder aggressiv am Ask gekaufte kleine Kontraktgrößen? Daher ist ein Blick in die T&S-Liste der wichtigsten Call-Strikes zwingend:


Time-&-Sales-Analyse: Spekulationsblase bei Trump Media


Ein Blick auf die Mikrostruktur der Orderbücher demontiert die Theorie eines meisterhaften, institutionellen Masterplans (Call-Ladder) in Sekunden. Die Time-&-Sales-Daten der auffälligsten Strikes belegen eindeutig: Hier agiert nicht das Smart Money, sondern eine unkoordinierte Masse von Spekulanten.


Exemplarisch dafür steht der hart umkämpfte 15-USD-Call im November-Verfall, einer der größten Open-Interest-Positionen nach den Midterms. Anstatt konzertierter, großer Block-Trades entfiel knapp die Hälfte des Handelsvolumens auf absolute Kleinstorders von unter 10 Stück. Das Smart Money stückelt normalerweise keine 5-Kontrakt-Orders in den Markt.


Noch extremer zeigt sich das Bild bei den absurden Ausreißern wie dem 32-USD-Call für Dezember, der rund 200 Prozent über dem aktuellen Kurs liegt: Hier wurden zuletzt rund 1.000 Kontrakte hochaggressiv direkt aus dem Briefkurs (Ask) gekauft. Das ist kein strategischer Spread-Aufbau zur Risikominimierung, das ist der blinde Kauf von Lotterietickets durch Spekulanten, die auf den großen politischen Momentum-Trade bei Trump Media nach der Wahlnacht hoffen.


Der 10-USD-Call: Synthetische Absicherung der Market Maker


Stillhalter, die zehntausende weit aus dem Geld liegende Calls verkaufen, bauen in ihren Büchern unweigerlich ein erhebliches Short-Gamma-Risiko auf. Üblicherweise neutralisieren Market Maker dieses Risiko durch klassisches Delta-Hedging, indem sie die zugrundeliegende Aktie physisch am Kassamarkt kaufen. Da die DJT-Aktie jedoch stark volatil ist und das fundamentale Abwärtsrisiko – wie zuvor skizziert – enorm bleibt, meiden die institutionellen Akteure den direkten Aufbau großer physischer Aktienbestände als Absicherung. Das Halten der stark politisch getriebenen und fundamental schwachen Trump Media-Aktie würde ein unkalkulierbares Bilanzrisiko darstellen.


Die kapitaleffiziente Alternative zeigt sich stattdessen direkt am aktuellen Kursniveau. Die auffällig hohen, stark algorithmisch getriebenen Umsätze beim 10-USD-Call (At-the-Money) deuten auf den wahren Hedging-Mechanismus hin. Anstatt die echte Aktie zu kaufen, weichen die Market Maker auf den Kauf dieser hochsensiblen ATM-Calls aus. Dieser Strike fungiert als synthetischer Stoßdämpfer: Er gleicht das kurzfristige Aufwärtsrisiko der verkauften Optionen effizient aus. Diese Architektur ermöglicht es den Stillhaltern, die extremen Optionsprämien der spekulativen oberen Strikes (25 oder 32 USD) zu vereinnahmen, ohne sich dem direkten und illiquiden Kursrisiko der eigentlichen Stammaktie aussetzen zu müssen.


Fazit Trump Media (DJT): Das Casino hat geöffnet


Die Datenlage lässt nur einen Schluss zu: Die großen OTM-Call-Walls sind das Resultat einer irrationalen, kleinteiligen Spekulationswelle auf die Midterms und das „Trump-Premium“. Fundamental ist die Trump Media-Aktie längst ein Sanierungsfall – doch im Optionsmarkt dreht sich das Roulette unbeeindruckt weiter. Dass Donald Trump dabei stets für eine Überraschung gut ist, hält die spekulative Fantasie am Leben.


Um es abschließend mit dem vertrauten Duktus der großen Finanznachrichtenagenturen zu sagen: Eine mit der Angelegenheit vertraute Person, die namentlich nicht genannt werden möchte, fasste das Geschehen am Optionsmarkt so zusammen: „Während ein unkoordinierter Haufen Söldner eine Anhöhe stürmen will, wartet die Schwere Kavallerie mit dem Tross der Hofbankiers aus überlegener strategischer Position darauf, den ganzen Haufen einzukassieren.“


Rechtlicher Hinweis & Haftungsausschluss: Die Options-Daten wurden mit Unterstützung von Gemini Pro analysiert. Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Investitionen am Optionsmarkt sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Daten ist ausgeschlossen. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (Schlusskurs 28. August).

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