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Private Credit Market: Schmiermittel oder Zeitbombe? Eine Optionsmarkt-Analyse

  • Autorenbild: Thomas Hartz
    Thomas Hartz
  • 26. Juli
  • 6 Min. Lesezeit
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Es war einmal eine Welt, in der Banken Kredite vergaben und die damit verbundenen Risiken transparent in ihren Bilanzen auswiesen. Doch strenge Regulierung und die jahrelange Nullzinspolitik haben eine tiefgreifende Veränderung ausgelöst: den Aufstieg des Private Credit Market.


Von wenigen Hundert Milliarden im Jahr 2010 ist das Volumen auf über 2 Billionen US-Dollar angewachsen. Im Gegensatz zu klassischen Bankkrediten vergeben im Private Credit Market spezialisierte Fonds direkt Kredite an Unternehmen – oft mit hohen Zinsen, langen Laufzeiten, hoher Illiquidität und vergleichsweise wenigen Sicherheiten (sogenannte Covenant-lite-Kredite). Genau diese Merkmale machen den Markt für Investoren attraktiv, aber auch riskant.


Die neuen Titanen im Private Credit Market heißen: Blackstone, Apollo Global Management, KKR, Ares Management, The Carlyle Group und Blue Owl Capital. Sie agieren als gigantische Schattenbanken und vergeben Kredite an mittelständische Firmen, weitgehend abseits der strengen Kontrollen der Bankenaufsicht. Doch was das institutionelle Kapital zuletzt unsanft aus der Rendite-Trance gerissen hat, war ein klassischer Kanarienvogel im Bergwerk: der rasante Anstieg von Payment-in-Kind (PIK) – also Zinsaufschüben, bei denen fällige Zinsen nicht in bar, sondern durch zusätzliche Schulden beglichen werden.


Hinter diesem eleganten Fachbegriff verbirgt sich eine gefährliche Praxis: Wenn Unternehmen ihre Zinslast nicht mehr aus dem operativen Cashflow bedienen können, wird diese einfach dem bestehenden Schuldenberg hinzugefügt. Auf dem Papier der Fonds wächst das Anlagevermögen weiter. In der Realität ist dieser PIK-Exzess jedoch ein deutliches Warnsignal, dass vielen Kreditnehmern schlicht die Liquidität ausgeht.


Genau diese Bilanz-Akrobatik in einem hochverschuldeten Umfeld wirft die kritische Frage auf: Ist der Private Credit Market wirklich das neue Schmiermittel der Wirtschaft – oder die nächste große systemische Gefahr, vergleichbar mit den Trusts Anfang des 20. Jahrhunderts?


Ein Blick auf den Optionsmarkt der sechs größten Schattenbanken zeigt, wie sich das Smart Money aktuell positioniert. Das Open Interest der Derivate offenbart die wahre Erwartungshaltung. Der Verfall am 31. Juli, der August- und der September-Verfall am Optionsmarkt sind Kern dieser Analyse. Alle Daten stammen von www.barchart.com (Schlusskurs 24. Juli).


Verfall 31. Juli am Optionsmarkt: Der Prämien-Sommer


Für den ultrakurzen Verfall Ende Juli herrscht noch sommerliche Routine am Optionsmarkt. Die Call-Aktivitäten bei den Schattenbanken dominieren leicht oder halten sich mit defensiven Puts die Waage. Marktteilnehmer nutzen das ruhige Umfeld, um durch gedeckte Call-Verkäufe kurzfristige Prämien einzustreichen. The Carlyle Group zeigt es am deutlichsten: Das Open Interest bei den Calls ist massiv. Der 47,50-USD-Strike verzeichnet über 100.000 offene Kontrakte. Institutionelle Akteure schreiben hier im großen Stil Calls. Sie kassieren die Prämien, weil sie in diesem Marktumfeld nicht von ausbrechenden Kursen ausgehen.


Diese Anomalien – wie etwa die Konzentration von 100.000 Call-Optionen im Open Interest, die fast drei Prozent der gesamten Marktkapitalisierung von Carlyle bewegen, lassen sich strategisch nutzen. Kurzfristig orientierte Trader können bei Annäherung an die massive 47,50-USD-Mauer nach einer sauberen Ablehnung im Chart suchen, um einen Short-Trade zu platzieren. Dieses Preisniveau war in den letzten Jahren immer wieder der Startpunkt von Bewegungen, wie der Tages-Chart zeigt:


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Doch schon im August-Kontrakt ändern sich die Positionierungen bei den Schattenbanken grundlegend.


Der August – Verfall (21.08.): Erste Korrektur-Wetten im Optionsmarkt


Das Kapital rechnet für den Spätsommer nicht zwingend mit dem großen Knalleffekt bei den Schattenbanken. Dennoch bereitet man sich im Private Credit Market akribisch auf eine Korrektur der Kreditbewertungen vor. Das Open Interest verschiebt sich im August spürbar in Richtung der Put-Optionen.


Zudem werden bei absoluten Schwergewichten wie dem Branchenprimus Blackstone oder Ares klare Obergrenzen in Form von Collar-Strukturen am Optionsmarkt eingezogen. Das ist eine kostengünstige Absicherungsstrategie: Man besitzt die Aktie, kauft einen Put als Schutz und finanziert diesen Kauf durch den gleichzeitigen Verkauf eines Calls. Es ist eine klassische Vollkaskoversicherung mit Selbstbehalt – beliebt bei institutionellen Investoren und großen Vermögensverwaltern.


Bei Blackstone zeigt sich diese asymmetrische Konstruktion im Orderbuch in Perfektion: Auf der Call-Seite wurde auf der Marke von 140,00 USD ein massiver Deckel verschraubt, um mit den eingenommenen Prämien die tiefen Puts auf dem 100,00-USD-Strike zu finanzieren. Hier der Chart:


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Die Marktteilnehmer gehen also nicht von weiter steigenden Kursen aus – der Deckel ist verschraubt. Für die Market Maker bedeutet dies: Sie sind bei diesen Trades die Käufer der Calls. Um ihr Risiko abzusichern (delta-neutral), müssen sie kontinuierlich Aktien abverkaufen, je näher der Kurs dem Call-Strike kommt. Dieser Mechanismus zementiert den Deckel von oben.


Blue Owl (OWL) am Optionsmarkt: Trade läuft – Gewinn gesichert!


Noch prägnanter ist die Positionierung am Optionsmarkt bei Blue Owl Capital. Hier zieht sich ein elegantes, asymmetrisches Collar über zwei Verfallsmonate. Der August-Kontrakt offenbart eine beachtliche Architektur: Auf dem 10,00-USD-Strike ragt auf der Call-Seite ein Open Interest von 133.631 Kontrakten auf. Wer diese Calls in den Markt gegeben hat, zementiert eine harte Grenze bei exakt 10,00 USD. Die eingenommenen Prämien finanzierten offensichtlich die Absicherung nach unten: Auf der Put-Seite stehen im August 98.023 Kontrakte auf dem 11er-Strike und 54.411 Kontrakte auf dem 12er-Strike.


Im September setzt sich das Konstrukt fort. Dort bilden 90.322 Puts auf dem 12,00-USD-Strike das Fundament, während die Call-Seite mit rund 12.600 Kontrakten fast verwaist ist.


Das Brisante: Bei einem aktuellen Aktienkurs von 9,45 USD liegen all diese Puts längst tief im Geld (In-the-Money). Das ist keine präventive Absicherung – der Aktienkurs von Blue Owl stand Anfang des Jahres schließlich noch über 26 USD. Es ist vielmehr das Überbleibsel eines längst vollzogenen, hochprofitablen Hedges. Das institutionelle Kapital hat den Absturz unter 10 USD antizipiert, die Absicherung über die Calls finanziert und den Ertrag aus den Puts gesichert.


Mit einem Delta nahe -1,0 wirken diese tiefen Puts in den Büchern der Market Maker wie ein synthetischer Leerverkauf von fast 15 Millionen Aktien. Die Folgen für die Marktstatik sind eindeutig: Nach unten herrscht Erstarrung. Der Hedge ist am Anschlag, die Market Maker müssen bei Kursverlusten nicht mehr eingreifen. Der Verfall nach unten ist mathematisch abgearbeitet.


Nach oben wirkt die Konstruktion jedoch wie eine stählerne Decke. Steigt der Kurs in Richtung 10,00 USD, weicht das Delta der Puts auf. Die Market Maker müssen zunächst Aktien kaufen, was den Kurs kurzfristig treibt. Kommt die Aktie jedoch der 10-Dollar-Marke näher, schlägt das Delta der gewaltigen Call-Wand zu. Um delta-neutral zu bleiben, müssen die Market Maker Aktien abverkaufen, da sie bei diesen Calls „Long“ positioniert sind. Jeder Erholungsversuch scheitert mechanisch an der 10-USD-Marke.


Der September-Verfall (18.09.): Schwere Zeiten am Optionsmarkt


Ist der August noch von besonnenen Absicherungen geprägt, zeigt der September fundamentale Dissonanzen. Während die offiziellen Fonds-Berichte weiterhin Stabilität versprechen, bereitet sich das Kapital am Optionsmarkt auf schwere Erschütterungen vor.


Bei den Titanen des Marktes türmen sich massive Put-Positionen auf – zu Preisen, die weit unter den aktuellen Kursen liegen. Bei KKR (Kurs: knapp 100 USD) verdichten sich die Absicherungen bei 85 USD. Bei Apollo (Kurs: 122,61 USD) wird der 90-USD-Strike als eiserner Boden eingezogen. Wer solche Puts kauft, spekuliert nicht auf eine saisonale Delle, sondern preist Liquiditätskrisen ein. Institutionelle Adressen zahlen signifikante Prämien, um ihre Bestände im Notfall rechtzeitig abladen zu können.


Die systemische Nabelschnur: JPMorgan und die Großbanken


Die volle Tragweite dieser Positionierungen erschließt sich beim Blick auf die Geldgeber. Der Private Credit Market existiert nicht isoliert. Er wird durch umfassende Kreditlinien und NAV-Loans der traditionellen Großbanken am Leben erhalten.


JPMorgan und die Deutsche Bank sind die maßgeblichen Finanziers der Schattenbanken. Die September-Optionen von JPMorgan unterstreichen die Sorge vor Spillover-Effekten: Hier konzentrieren sich 18.957 Put-Kontrakte auf dem 270-USD-Strike, flankiert von 11.213 Kontrakten bei 280 USD – und das, obwohl JPMorgan zuletzt bei 353,21 USD auf Höchstkurs schloss.


Das wohl am stärksten exponierte europäische Ziel ist die Deutsche Bank. Im Frühjahr 2026 wies sie ein Private-Credit-Exposure von rund 30 Milliarden USD aus (etwa fünf Prozent des Kreditbuchs). Als den Märkten erste Risse im Private Credit Market bewusst wurden, brach die Aktie an nur einem Tag um fast sieben Prozent ein.


Hinzu kommt die Verflechtung mit der Versicherungsbranche. Akteure wie Apollo, KKR und Blackstone haben massiv Lebensversicherer aufgekauft, um deren Prämien-Pools für illiquide Kredite zu nutzen. US-Lebensversicherer halten mittlerweile rund 807 Milliarden USD an Anlagen im Private Credit Market – gut 20 Prozent ihrer Festzinsportfolios.


Fazit


Ob der Private Credit Market mit seinen Schattenbanken eine ähnliche historische Rolle spielen wird wie die Trusts bei der Panik von 1907, bleibt abzuwarten. Die strukturellen Parallelen sind jedoch offensichtlich.


Fest steht: Der Optionsmarkt preist nüchtern ein, was in der öffentlichen Debatte oft ausgeblendet wird. Wenn das zwei Billionen Dollar schwere Segment des Private Credit Market korrigiert, wackeln zwangsläufig die Bilanzen der Institute, die diese Schattenbanken finanziert haben. Die Marktdaten belegen, dass das Kapital diese Ansteckungsgefahr ernst nimmt und sich entsprechend in Stellung gebracht hat.


Rechtlicher Hinweis & Haftungsausschluss: Die Options-Daten wurden mit Unterstützung von Gemini Pro analysiert. Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Investitionen sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Daten ist ausgeschlossen. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (Schlusskurs 24. Juli).

 


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