top of page

Coinbase & Bitcoin: Bodenbildung oder Bullenfalle? Optionsmarkt-Analyse

  • Autorenbild: Thomas Hartz
    Thomas Hartz
  • 24. Juli
  • 5 Min. Lesezeit
CoinBit_Cover


Noch Anfang des Jahres notierte Bitcoin bei knapp 90.000 USD und Coinbase bei über 230 USD. Seitdem stehen beide Werte massiv unter Druck. Bitcoin fiel zuletzt auf ein Tief von ca. 57.700 USD, während Coinbase bereits zum vierten Mal seit September 2024 den Bereich um 140 USD erfolgreich verteidigt hat. Seit Anfang Juli zeigen beide eine leichte Erholung – Coinbase agiert dabei einmal mehr als extrem volatiler Hebel auf die Krypto-Stimmung. Zeichnet sich hier eine echte Bodenbildung ab – oder droht nur die nächste Bullenfalle? Der Optionsmarkt zeigt ein differenziertes Bild.


Dieser Artikel analysiert die aktuelle Positionierung des Smart-Moneys und zeigt, ob der Markt wirklich eine tragfähige Statik einpreist – oder ob ein erneuter Einbruch droht. Alle Daten stammen von www.barchart.com (Stand Schlusskurs 23. Juli).


Coinbase am Optionsmarkt: Die 140 USD – Unterstützung


Die Charttechnik zeigt ein klares Bild: Zum vierten Mal testete Coinbase den Bereich um 140 USD – und Analysten wie Bernstein und Canaccord Genuity sprechen bereits von einer möglichen langfristigen Bodenbildung. Von dort aus ist der Kurs zwischenzeitlich bis auf knapp 180 USD hochgeschnellt und konsolidiert aktuell bei ca. 162,80 USD vorbörslich.


Doch Chartanalyse allein greift in volatilen Marktphasen oft zu kurz. Wesentlich aussagekräftiger wird das Gesamtbild, wenn man die tatsächliche Positionierung der großen Marktteilnehmer am Optionsmarkt hinzunimmt. Wo baut das Smart-Money seine Absicherungen auf? Wo liegen spekulative Wetten? Und preist der Markt wirklich eine nachhaltige Erholung ein?


Der impulsive Vorstoß von Coinbase auf knapp 180 USD am 21. Juli hinterließ ein offenes Gap bei ca. 160 USD. Dass die Konsolidierung nun in diesem Bereich zum Stehen kommt, ist Chartanalyse aus dem Lehrbuch – aber es korreliert auch mit einer massierten Optionswand auf demselben Niveau. Dadurch entsteht eine besonders ausgeprägte Zone. Hier die Daten im Detail:


August-Verfall (21.8.2026) Coinbase: Teure Absicherung


Auf der Put-Seite liegt das höchste Open Interest bei 140 USD (4.715 Kontrakte) und 150 USD (4.514 Kontrakte). Das Smart-Money hat hier ganz klar den Boden eingezogen. Das größte OI auf der Call-Seite liegt bei 160 USD mit 11.193 Call-Kontrakten. Hier greift das Delta-Hedging der Stillhalter. Solange der Kurs oberhalb von 160 USD behauptet wird, müssen Market Maker zur Absicherung der geschriebenen Calls Aktien halten – das Gap-Close wird dadurch mechanisch vom Optionsmarkt abgefedert.


Die Kehrseite der Medaille: Hält die 160-USD-Marke auf Tagesschlussbasis nicht, wandelt sich die Unterstützung augenblicklich wieder in einen Widerstand. In diesem Fall wäre das Gap-Close gescheitert, und der Weg zur nächsten tragfähigen Put-Mauer bei 140–150 USD stünde offen.


Obwohl im August das OI-Put-Call-Ratio bei entspannten 0,79 liegt, leuchten beim Geldfluss Warnlämpchen auf: Das Premium-PCR liegt bei 2,86 (knapp unter der Panik-Marke von 3,0). D.h., es floss fast dreimal so viel Geld in Puts wie in Calls. Die Absicherung des 140er/150er-Niveaus wird somit extrem teuer erkauft.


September-Verfall (18.09.2026): Spekulative Träume am Optionsmarkt


Im September verflüchtigt sich der Put-Druck fast völlig. Das Premium-PCR stürzt auf harmlose 0,88 ab, und das OI-PCR liegt bei sehr bullischen 0,49. Nach oben öffnet sich mehr Spielraum, wobei sich das größte Call-Interesse bei 170 USD (13.251 Kontrakte) bündelt.


Einen bemerkenswerten Ausreißer bilden 8.084 offene Call-Kontrakte beim extremen Strike von 880 USD. Hierbei handelt es sich um klassische Lottoscheine – hochspekulative Wetten auf einen extremen Krypto-Squeeze oder das Einpreisen von Jahresend-Fantasien.


Oktober-Panik am Optionsmarkt bei Coinbase


Der Oktober liefert den brisantesten Datenpunkt der Analyse. Bei zwar noch überschaubarem Gesamtvolumen schnellt das Premium-PCR auf einen extremen Wert von 14,35 hoch. D.h., am Handelstag des 23. Juli flossen knapp 5,9 Mio. USD in Put-Prämien – gegenüber lediglich 412.000 USD auf der Call-Seite. Das Kapital fließt gezielt in Absicherungen, allen voran bei 180 USD (1.937 OI) sowie erneut bei der zentralen 140-USD-Marke (1.521 OI).


Ein Verhältnis von fast 14:1. Solche extremen Werte sind selten und signalisieren in der Regel starke defensive Absicherung großer institutioneller Positionen. Die Profis bereiten sich spürbar auf einen volatilen oder negativen Herbst vor und zahlen hohe Prämien für Puts.


COIN_PCWall

Zwischenfazit Coinbase: Gestützte Konsolidierung statt Freifahrtschein


Die Optionsdaten sprechen für eine gestützte Konsolidierung. Von einer klassischen Bullenfalle zu sprechen, wäre angesichts der großen Put-Positionen unpassend: Der Markt lässt die Kurse nicht unkontrolliert durchsacken, bei 140 USD liegt institutionelle Nachfrage im Orderbuch.


Von einem unmittelbaren Befreiungsschlag nach oben ist die Aktie jedoch ebenso weit entfernt. Solange die Absicherungsprämien am Optionsmarkt für den Spätsommer und Herbst derart hoch bleiben, wirken die Call-Wände bei 170 USD und die Oktober-Put-Absicherungen bei 180 USD wie ein fester Deckel. Für Anleger bedeutet das: Der Boden ist stabil, ein Freifahrtschein nach oben fehlt jedoch noch.


Ein Blick auf den weltgrößten Spot-Bitcoin-ETF iShares Bitcoin Trust (IBIT) bestätigt dieses defensive Gesamtbild:


iShares Bitcoin Trust (IBIT) am Optionsmarkt: Kampf um die 35-Dollar-Marke


Während Coinbase als volatiler Hebel agiert, zeigt sich beim weltgrößten Spot-Bitcoin-ETF (IBIT) die reine institutionelle Marktstatik für das Krypto-Asset selbst. Auch hier wird die Frage nach Bodenbildung oder Bullenfalle durch extreme Optionsdaten beantwortet.


August-Verfall (21.08.2026): Defensive Dominanz


Der unmittelbare Verfallstermin ist geprägt von tiefen Schutzpositionen. Auf der Unterseite formieren sich große Put-Positionen bei 35 USD (37.429 offene Kontrakte) und 30 USD (29.860 Kontrakte). Diese Bereiche sind durch den Optionsmarkt stark unterstützt und als Akkumulationszonen zu deuten. Umgerechnet entsprechen sie einem Bitcoin-Kurs von etwa 59.800 USD bzw. 51.300 USD.


Demgegenüber steht ein extremer Kapitalfluss: Das Premium-Put-Call-Ratio notiert bei 4,77. An einem einzigen Handelstag flossen knapp 4,9 Mio. USD in Put-Prämien, gegenüber lediglich 1,02 Mio. USD für Calls. Die Marktteilnehmer sind auch hier wie bei Coinbase bereit, extreme Aufpreise für die Absicherung dieser unteren Niveaus zu zahlen.


September-Verfall (18.09.2026): Spekulative Weite


Im September verschiebt sich die Statik. Die stärksten Put-Positionen rücken tiefer auf 30 USD (54.764 Kontrakte) und 25 USD (47.960 Kontrakte). Gleichzeitig öffnet sich auf der Oberseite spekulativer Spielraum: Die höchsten Call-Interessen ballen sich weit entfernt bei 45 USD (42.915 Kontrakte) und 50 USD (40.317 Kontrakte). Trotz dieses vermeintlichen Optimismus auf der Call-Seite bleibt das Premium-PCR mit 2,19 erhöht. Auch wenn Calls gekauft werden, bleibt das Aufrechterhalten der Put-Absicherungen der primäre und teuerste Kostentreiber.


Oktober-Verfall (16.10.2026): Anhaltende Vorsicht am Optionsmarkt


Für den Oktober bestätigt sich die defensive Grundausrichtung. Das Volumen konzentriert sich abermals auf Put-Absicherungen bei 30 USD (21.160 Kontrakte) und 35 USD (19.399 Kontrakte). Mit einem Premium-PCR von 2,06 fließt weiterhin mehr als doppelt so viel Kapital in den Abwärtsschutz wie in Wetten auf steigende Kurse, selbst wenn vereinzelt Call-Positionen bei 50 USD gehalten werden.


Fazit IBIT & Coinbase: Fundament gesichert, Dynamik gebremst


Die Optionsdaten von Coinbase und IBIT negieren eine einfache Bullenfalle. Die Unterseite ist durch große Put-Positionen klar abgesichert – der Markt lässt die Kurse nicht unkontrolliert durchsacken. Gleichzeitig fließt das institutionelle Kapital jedoch vorrangig in den Risikoschutz. Hohe Prämien für Puts und vergleichsweise verhaltene Call-Aktivität zeigen: Der Boden ist stabil geformt, für eine ungebremste Aufwärtsdynamik fehlt es derzeit jedoch noch an Überzeugung und frischem Kaufinteresse.


Rechtlicher Hinweis & Haftungsausschluss: Die Options-Daten wurden mit Unterstützung von Gemini Pro analysiert. Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Investitionen sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Daten ist ausgeschlossen. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (Stand Schlusskurs 23. Juli).


Kommentare


Copyright: Finanzgeschichte.com 2025

Raubritter
bottom of page