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Amazon & Apple Earnings: Optionsmarkt-Analyse

  • Autorenbild: Thomas Hartz
    Thomas Hartz
  • 29. Juli
  • 5 Min. Lesezeit
Apple_Amazon_Earnings

Am Donnerstag nach Börsenschluss stehen mit Amazon und Apple die letzten beiden Mega-Caps der Earnings-Woche im Rampenlicht. Während die Fundamentaldaten breit diskutiert werden, zeigt der Optionsmarkt, wo das echte Geld positioniert ist – und wie groß die erwartete Kursbewegung wirklich ausfallen dürfte.


Alle analysierten Daten beziehen sich auf die Verfallstage vom 31. Juli (Weekly), 21. August sowie 18. September und stammen von www.barchart.com (Schlusskurs 28. Juli).


Apple am Optionsmarkt: noch Luft nach oben


Apple hat gestern an der Wall Street Geschichte geschrieben: Mit einem Schlusskurs über 340 USD hat das Unternehmen Nvidia als wertvollstes Unternehmen der Welt überholt und kratzt an der 5-Billionen-Dollar-Marke. Die Earnings stehen daher unter besonderer Beobachtung.


Earnings-Verfall (31. Juli) Apple: Unterstützungszone


Noch vor wenigen Tagen lag die markttechnische Unterstützung in Form einer großen Put-Position im Open Interest für die Earnings bei 300 USD. Diese wurde aber in den letzten Handelstagen abgebaut und nach oben gezogen. Die neue, extrem dichte markttechnische Unterstützung formiert sich nun bei 315 USD (knapp 14.000 Kontrakte) und 320 USD. Der Optionsmarkt preist für Apple bis zu diesem Freitag (31. Juli) eine Bewegung von 3,81 Prozent (oder knapp 13 USD) ein, ausgehend von der 340-USD-Marke. Das bedeutet konkret: Die institutionellen Stillhalter rechnen damit, dass der Kurs nach den Zahlen am Freitagabend irgendwo zwischen 327 USD (Unterseite) und 353 USD (Oberseite) schließen wird.


Spekulative Call-Wetten auf Ausbruch bei Apple


Apple notiert aktuell genau auf einer neuen Call-Wall. Bei 340 USD liegen nun 10.271 Kontrakte, und das Tagesvolumen war mit über 13.800 gehandelten Optionen groß. In Kombination mit einer hohen IV (impliziten Volatilität) bei diesen Optionen liegt die Vermutung nahe, dass sich hier kurzfristig agierende Anleger positionieren, die auf einen massiven Kurssprung durch die Earnings wetten. Das Volumen übersteigt das Open Interest, was bedeutet: Die Kontrakte wechseln in rasantem Tempo die Besitzer (Daytrading, kurzfristige Ausbruchswetten). Die Anleger zahlen hier extrem teure Prämien (Bid 6,50 / Ask 6,70) in der Hoffnung, dass Apple die Zahlen pulverisiert und ein Gamma-Squeeze den Kurs über 340 USD treibt. Bei 360 und 365 USD liegen weitere vereinzelte spekulative Call-Käufe, doch diese Ausbruchswetten entbehren beim Blick auf den August-Verfall jeder Grundlage:


Der August-Verfall (21. August): Smart-Money-Positionen bei Apple


Die Call-Positionen im Open Interest stellen für einen Ausbruch nach oben einen schwer zu überwindenden Widerstand dar. Bei 340 USD liegen über 25.000 Kontrakte, und schon bei 345 USD weitere knapp 45.000 offene Optionen. Die implizite Volatilität liegt mit 29 Prozent deutlich niedriger als im kurzfristigen Verfall, was eher auf Stillhaltergeschäfte schließen lässt. In diesem Fall wären die Market Maker durch das Bedienen der Stillhalter Long-Call und würden jede Kursbewegung nach oben durch Leerverkäufe der Aktie massiv shorten, um delta-neutral zu bleiben. Im eher unwahrscheinlicheren Fall einer Ausbruchswette des Smart Moneys wären diese beiden Kursniveaus echte Katapulte, da die Market Maker dann die Bewegung aktiv mitkaufen müssen. Nach unten riegelt eine große Put-Position bei 300 USD den Kurs ab (über 36.000 offene Kontrakte).


Der September-Verfall zeigt ein fast identisches Bild. Die Call-Wall bei 350 USD (über 37.000 Kontrakte) deckelt den Herbst, während die Put-Wall bei 300 USD (über 20.000 Kontrakte) als Akkumulationszone fungiert.


Apple_PCWall

Fazit für Apple: Volatilitätsprämien statt Ausbruch


Bei Apple zeigt der Optionsmarkt ein unmissverständliches Muster: Institutionelle Anleger nutzen das Earnings-Ereignis nicht für wilde Richtungs-Spekulationen, sondern zur gezielten, lukrativen Einnahme von Volatilitätsprämien. Die 340 USD-Marke ist die Make-or-Break-Linie. Für den kurzfristigen Freitag (Earnings-Verfall) wurde viel Geld für eine Ausbruchswette auf den Tisch gelegt.


Selbst wenn die Anleger den Kurs kurzfristig über 340 USD treiben, werden die institutionellen Stillhalter im August alles daransetzen, den Ausbruch bei 345 USD abzuwürgen, damit ihre geschriebenen (verkauften) Calls wertlos verfallen.


Amazon am Optionsmarkt: Wenig Raum nach oben


Auch bei Amazon richtet sich der Fokus auf die mit Spannung erwarteten Quartalszahlen. Für den Earnings-Verfall (31. Juli) zeigen sich folgende Unterstützungszonen aus markttechnischer Sicht: Im Bereich von 220 USD bis 225 USD liegen kumuliert knapp 10.200 offene Put-Kontrakte, die als erste Unterstützung fungieren. Der Optionsmarkt preist für Amazon über den sogenannten Straddle at-the-money (Basispreis 230 USD) bis zu diesem Freitag (31. Juli) eine relativ kräftige Bewegung von 6,92 Prozent (oder knapp 16 USD) ein. Daraus lässt sich ableiten: Die institutionellen Akteure preisen ein, dass der Kurs nach den Zahlen am Freitagabend voraussichtlich in der Spanne zwischen 214 USD (Unterseite) und 246 USD (Oberseite) schwanken wird.


Amazon: Massive Call-Wall bei 250 USD


Während das Auffangnetz nach unten elastisch ist, formiert sich nach oben eine massive Call-Wall. Bei 250 USD liegen über 13.500 Kontrakte, und das Tagesvolumen war mit knapp 10.000 gehandelten Optionen enorm hoch. In Kombination mit einer extrem hohen impliziten Volatilität (über 94 Prozent) bei diesen Optionen liegt die Vermutung nahe, dass sich auch hier kurzfristig agierende Spekulanten positionieren, die auf einen gewaltigen Kurssprung durch die Earnings wetten. Auch bei den weit aus dem Geld liegenden Basispreisen von 265 USD (über 31.000 Kontrakte) und 280 USD (über 30.800 Kontrakte) zeigt sich ein massives Open Interest. Die Anleger zahlen hier teure Prämien in der Hoffnung, dass Amazon die Zahlen deutlich übertrifft und ein Gamma-Squeeze den Kurs durch die Decke treibt. Doch diese extremen Ausbruchswetten entbehren beim Blick auf den August-Verfall auch jeder Grundlage:


Der August-Verfall (21. August): Smart-Money-Positionen bei Amazon


Die Call-Positionen im Open Interest stellen für einen Ausbruch nach oben einen kaum zu überwindenden Widerstand dar. Genau bei der 250-USD-Marke wurde eine massive Call-Wall hochgezogen: Hier liegen fast 60.000 Kontrakte. Schon bei 260 USD und 270 USD folgen weitere massive Positionen mit 48.000 beziehungsweise über 46.000 offenen Optionen. Die implizite Volatilität liegt hier mit 45 Prozent deutlich niedriger als im kurzfristigen Verfall, was unmissverständlich auf großvolumige Stillhaltergeschäfte schließen lässt. Eine identische Konstellation wie bei Apple. Nach unten riegelt eine robuste Put-Zone bei 220 USD und 225 USD den Kurs ab (zusammen über 52.000 offene Kontrakte).


Der September-Verfall zeigt ein ähnliches Bild, das den Deckel für den Herbst festschraubt. Die Call-Walls bei 260 USD (knapp 21.000 Kontrakte) und 270 USD (über 26.000 Kontrakte) deckeln das Aufwärtspotenzial, während die Put-Wall bei 220 USD (über 17.000 Kontrakte) als fundamentale Akkumulationszone fungiert.


Amazon-PCWall

Fazit für Amazon: Limitierte Aufwärtsdynamik


Bei Amazon zeigt sich am Optionsmarkt eine weitgehend analoge Struktur zu Apple: Während der unmittelbare Earnings-Verfall von spekulativen Ausbruchswetten getrieben wird, etabliert das institutionelle Kapital im August-Verfall eine ausgeprägte Widerstandszone nach oben.


Fazit der Analyse


Weder bei Apple noch bei Amazon signalisiert der Optionsmarkt ein erhöhtes Abwärtsrisiko. Dichte Put-Cluster bieten solide Unterstützung, während starke Call-Walls nach oben limitieren. Das institutionelle Kapital positioniert sich primär auf die Vereinnahmung erhöhter Volatilitätsprämien – nicht auf große Richtungsrisiken.


Rechtlicher Hinweis & Haftungsausschluss: Die Options-Daten wurden mit Unterstützung von Gemini Pro analysiert. Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Investitionen am Optionsmarkt sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Daten ist ausgeschlossen. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (Schlusskurs 28. Juli).

 

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