SpaceX-Earnings: Absturz oder Go-Around?

Während die Flugkurve der SpaceX-Aktie seit Wochen weniger an Raumfahrt als vielmehr an das ballistische Profil einer fallenden Bunker-Buster-Bombe erinnert, steht eine entscheidende Woche für Elon Musks Parade-Unternehmen bevor. Heute nach Börsenschluss meldet SpaceX seine Earnings für das zweite Quartal – und nur zwei Tage später, ab dem 6. August, öffnet sich die Luke für den ersten großen Aktien-Release. Damit erhält das Heer der Early-Investoren und langjährigen Mitarbeiter erstmals die Gelegenheit, 20 Prozent ihrer gesperrten Anteile auf den Markt zu werfen.
Wie sich das Smart Money am Optionsmarkt auf diese Doppelbelastung vorbereitet und was aus der Analyse vom 18. Juli geworden ist – darum geht es in diesem Artikel.
Analystenerwartungen SpaceX Earnings Q2 2026
Die Wall Street rechnet für die anstehenden SpaceX Earnings im zweiten Quartal 2026 mit einem Umsatz von rund 6,8 bis 6,9 Milliarden USD. Beim Gewinn je Aktie wird weiterhin ein Verlust zwischen –0,23 und –0,29 USD erwartet. Zum Vergleich: Im ersten Quartal lag der Umsatz bei 4,69 Milliarden USD und der Nettoverlust bei rund 4,28 Milliarden USD. Das erwartete Umsatzwachstum wird vor allem von Starlink und dem AI-/Compute-Geschäft getragen, während hohe Investitionen in Starship und AI-Infrastruktur das Gesamtergebnis weiter belasten.
Erster SpaceX-Aktien Release nach IPO
Nach dem ersten großen Freigabefenster ab dem 6. August, bei dem bis zu rund 911 Millionen SpaceX-Aktien freigegeben werden, fast doppelt so viele wie beim IPO, folgen in den kommenden Wochen weitere gestaffelte Tranchen. Bereits um den 20. und 21. August (70 Tage nach dem IPO) kommen weitere rund 320 Millionen Aktien auf den Markt. Allein bis Ende September können damit schrittweise zusätzliche rund eine Milliarde Aktien handelbar werden – und das noch vor dem deutlich größeren Release nach den Q3-Earnings. Bei einem Kurs deutlich unter dem IPO-Preis von 135 USD ist die Verkaufsbereitschaft erfahrungsgemäß höher. Das könnte somit noch gravierende Folgen für den weiteren Kursverlauf haben, wenn sich der Aktienkurs nicht langsam stabilisiert.
Rückblick auf Fazit der letzten Analyse
Das ursprüngliche Fazit war eindeutig: Unterhalb der Marke von 125 USD bot der Optionsmarkt kaum nennenswerte Auffangzonen; erst im Bereich um 100 USD formierte sich eine volumentechnische Unterstützung. Für unüberlegte Long-Einstiege war die Fallhöhe schlicht zu hoch – lediglich disziplinierte Akteure hielten die 100-USD-Zone für eine potenzielle Erstpositionierung im Visier.
Mit dem jüngsten Tiefstkurs bei 105,19 USD hat sich die Aktie dieser Belastungsgrenze nun genau so genähert wie skizziert. Unmittelbar vor dem doppelten Katalysator aus den anstehenden Earnings und der bevorstehenden Freigabe von rund 911 Millionen Aktien aus dem Lock-up stellt sich am Optionsmarkt die drängende Frage: Erweist sich die 100-USD-Marke als tragfähiges Fundament oder lediglich als volatiles Zwischengeschoss auf dem Weg nach unten?
SpaceX am Optionsmarkt: Auffällig hohes Volumen an der 100 USD-Marke
Auf der 100er-Marke rollte am Optionsmarkt in den letzten Tagen eine gewaltige Welle durch das Orderbuch. Mit über 29.300 Kontrakten an kumuliertem T&S-Volumen und einem bestehenden Open Interest von knapp 25.000 Kontrakten im wöchentlichen Kontrakt ist dieser Strike die am schwersten umkämpfte Zone unterhalb des aktuellen Kurses. Direkt unter dem aktuellen Schlusskursniveau (114,50 USD) balanciert zudem der 110er Put als erste Unterstützung.
Da sich der Optionsmarkt zudem in negativem Gamma befindet (Gamma-Flip liegt bei ca. 149 USD), fallen Kursbewegungen insgesamt deutlich volatiler aus, weil die Market Maker gezwungen sind, dynamisch mit dem Kurs zu hedgen.
Die Call-Seite wirkte im direkten Vergleich zeitweise verwaist, zog jedoch im späten Handelsverlauf durch Eindeckungen wieder etwas an. Von rein spekulativ-optimistischen Käufen fehlt dennoch weitgehend die Spur.
SpaceX: Zeichnet sich bei 100 bis 105 USD der Boden ab?
Ein Blick auf die Feinstruktur der jüngsten Time-&-Sales-Daten enthüllt die Arithmetik, mit der institutionelle Marktteilnehmer am Optionsmarkt den Doppelbelastungstest für SpaceX strukturieren. Insbesondere das Zusammenspiel der Strikes zwischen 100 und 105 USD liefert wertvolle Indizien für ein mögliches Zielgebiet der Kursstabilisierung vor den Earnings.
Im wöchentlichen 100er Put (Verfall 7. August) wurden in den vergangenen Tagen über 12.100 Kontrakte direkt in das Gebot und weitere rund 9.000 Kontrakte in der Geld-Brief-Spanne gehandelt. Das deutet auf bilaterale Block-Transaktionen hin – also große, abseits des öffentlichen Orderbuchs direkt zwischen zwei institutionellen Akteuren ausgehandelte Geschäfte, die zu einem festen Mittelkurs abgewickelt werden, um den Markt möglichst wenig zu bewegen.
Zur Erinnerung: Das Schreiben dieser Puts entspricht einer Limit-Order mit Prämie: Bei ca. 5,10 USD Prämie liegt die effektive Kostenbasis der Stillhalter bei rund 94,90 USD. Am 105er Strike (Prämie ca. 7,25 USD) ergibt sich ein Einstandskurs von effektiv 97,75 USD.
Diese Vorgehensweise spricht eine deutliche Sprache: Im Bereich zwischen 100 und 105 USD sammelt sich das Kapital jener Akteure, die bereit sind, SpaceX mit einem signifikanten Sicherheitsabschlag gegenüber dem aktuellen Niveau – und weit unter dem einstigen IPO-Ausgabepreis von 135 USD – in ihre Depots aufzunehmen.
Flankiert wird diese Zone durch auffällige Aktivitäten am Optionsmarkt an den tieferen Put-Strikes (90 und 80 USD). Hier deutet die Datenlage darauf hin, dass professionelle Marktteilnehmer diese weit aus dem Geld liegenden Optionen gezielt als Gegen-Legs für Bear Put Spreads nutzen: Der teure Schutz am 100er Strike wird durch das Schreiben der tiefen Puts um bis zu 40 Prozent verbilligt. Und selbst wenn der Kurs darunter fällt, mit den 80er und 90er Strike-Puts lässt sich ein insgesamt attraktiver durchschnittlicher Einstandskurs erzielen – bei einem Unternehmen, das bald zum Mars fliegt.
Der 100/105er-Korridor erweist sich bei SpaceX somit als das primäre, durch massive Prämienpuffer unterfütterte Fundament. Unterstützt wird dies durch die vom Optionsmarkt eingepreiste Schwankungsbreite (ATM-Straddle): Der Markt kalkuliert bis Freitag mit einem Bewegungspotenzial von ±14,7 bis ±17,3 Prozent (ca. 94,70 bis 134,30 USD). Sofern die Earnings keine fundamentalen Trümmer hinterlassen, trifft der verkaufsbereite Markt in dieser Akkumulationszone auf ein dichtes Netz aus Stillhaltern, die den Kurs auffangen oder im Zuge des nach den Earnings einsetzenden Volatilitätsverfalls (IV Crush) für die nötige Eindeckungsdynamik sorgen dürften. Dass der Kurs im gestrigen Handelsverlauf punktgenau sein Tief bei 105,19 USD fand, um anschließend dynamisch bis auf den Schlusskurs von 114,50 USD zu klettern, liefert die eindrucksvolle Bestätigung dieser Akkumulationszone.
Ein Blick auf die monatlichen Verfallstage (21. August und 18. September 2026) am Optionsmarkt liefert die nötige Makro-Statik, um das unmittelbare Geschehen um den wöchentlichen Kontrakt herum in die größere Marktarchitektur einzubetten.

August-Monatsverfall (21. August 2026)
Knapp zwei Wochen nach dem Lock-up-Release zeigt sich am Optionsmarkt die unmittelbare Fortsetzung der Absicherungsarchitektur. Neben der etablierten Wall bei 100 USD (über 24.400 Puts) sticht die anhaltend hohe Handelsaktivität an den tiefen Puts hervor. Die Marktteilnehmer nutzen diese Strikes gezielt als Gegen-Legs, um ihre Bear Put Spreads bis in den Spätsommer zu verlängern und ein mögliches Durchsacken der Kurse temporär abzupuffern. Das Put-Call-Ratio auf Volumensebene hat sich zum Handelsschluss bei 1,04 eingependelt.
September-Monatsverfall (18. September 2026) und Fazit
Hier zeigt sich das mittelfristige Auffangnetz am Optionsmarkt für die Verdauungsphase nach dem Lock-up. Zwar dominiert auf den oberen Niveaus (insbesondere bei 150 USD mit über 46.000 Puts) historischer Altbestand, doch auf der Unterseite bleibt die 100-USD-Marke mit knapp 18.000 Kontrakten auch im September die primäre und am stärksten unterfütterte Auffangzone.
Die Analyse der Monatsverfälle bestätigt: Der 100/105er-Korridor ist kein kurzfristiger Spielplatz des wöchentlichen Handels, sondern eine über Monate hinweg aufgebaute Akkumulationszone.
Sollte der Kurs von SpaceX im Zuge der Verkaufsdruck-Welle nach den Earnings und dem Release die psychologische und charttechnische Vorstufe bei 110 USD erneut durchbrechen, trifft er im 100/105er-Korridor auf eine tief gestaffelte Phalanx aus Stillhaltern und strukturierten Spreads. Erst wenn diese letzte Auffanglinie auf Monatsbasis nachhaltig durchbrochen würde, müsste die Statik völlig neu berechnet werden. Bis dahin gilt: Der Markt hat seinen Anker geworfen.
Das realistische, kurz- bis mittelfristige Aufwärtspotenzial von SpaceX ist durch die Abgabebereitschaft am IPO-Preis bei 135 USD gedeckelt. Ein theoretischer Durchmarsch darüber hinaus benötigt erst den Bruch des Gamma-Flips bei 149 USD, um echtes Treibstoff-Momentum freizusetzen.
Rechtlicher Hinweis & Haftungsausschluss: Die Options-Daten wurden mit Unterstützung von Gemini Pro analysiert. Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Investitionen am Optionsmarkt sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Daten ist ausgeschlossen. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (Schlusskurs 03. August).



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