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Absturz statt Mondlandung: Rocket Lab und SpaceX im Sturzflug

  • Autorenbild: Thomas Hartz
    Thomas Hartz
  • 18. Juli
  • 7 Min. Lesezeit

Veröffentlicht am 18. Juli 2026 auf Finanzmarktwelt.de


SpaceX-Absturz

Wie tief kann es noch fallen und wo erfolgt der Einschlag – RKLB und SPCX am Optionsmarkt


SpaceX und Rocket Lab gelten als die beiden unangefochtenen Platzhirsche der kommerziellen Raumfahrtindustrie und stehen bei Anlegern hoch im Kurs. Doch während die Ingenieure in den Werkshäusern noch an Turbinen und Steuerungssystemen basteln und schrauben, hat an den New Yorker Terminbörsen längst die Schwerkraft das Kommando übernommen. Am heutigen großen Verfallstag verglühen die kühnen Träume der Kleinanleger in einem Hagel wertloser Kaufoptionen – Zeit für eine statische Bestandsaufnahme über das Aufsplittern tragender Fundamente bei SpaceX und das gefährliche Balancieren an der Bruchkante bei Rocket Lab.


Heute, am 17. Juli 2026, notiert die Aktie von SpaceX wie berichtet vorbörslich bei 124,80 USD und damit bereits über 10 USD unter ihrem Ausgabepreis noch vor wenigen Wochen. Nach einem kurzen, kometenhaften Steilflug bis über 225 USD ging es rapide in den Sinkflug. Wer im Rausch der Höhe gekauft hat, sitzt jetzt auf einem Minus von rund 44 Prozent. Bei Rocket Lab ist das Bild ähnlich. Vom Hoch Ende Mai bei rund 151 USD ist die Aktie bis heute – bei einem vorbörslichen Kurs von 63,76 USD –  um über 57 Prozent gefallen. Ein absoluter Albtraum für investierte Anleger und zeitgleich ein regelrechtes Freudenfest für die Market Maker an den Optionsmärkten. Ein Blick in die Options-Daten von RKLB und SPCX auf den Verfall im August und September zeigt, wie tief es noch fallen und bei welchem Kursniveau ein finaler Einschlag erfolgen könnte. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (Intraday 17.07.2026).


Rocket Lab (RKLB) am Optionsmarkt: Friedhof der Call-Optionen


Wer einen Blick in das aktuelle Optionsregister von Rocket Lab wirft, sieht die Trümmerteile einer klassischen Retail-Euphorie. Die heutige Abrechnung wird brutal. Die Optionsketten für Juli zeigen ein gigantisches Call-Open-Interest von 137.926 Kontrakten, das sich den Puts (78.884 OI) fast im Verhältnis 2:1 überordnet. Die Anlegerschar hatte anscheinend auf den großen Raketenstart spekuliert und massive Call-Wände bei 100, 110, 120 und 130 USD hochgezogen. Diese Konstrukte werden heute komplett wertlos verfallen und mit ihnen die gezahlten Millionenprämien.

Gleichzeitig laufen die hoch aufgetürmten Puts bei 70 USD (5.369 OI), 75 USD (5.602 OI) und 80 USD (7.030 OI) tief ins Geld. Die Market Maker, die als Liquiditätsgeber auf der Gegenseite stehen, sind hier massiv in Schieflage geraten (Short Gamma) und müssen nun am Kassamarkt Aktien auf den Markt werfen, um ihre Bücher abzusichern. Die extrem hohe IV (implizite Volatilität) in diesem Strike-Bereich (102 % bis 184 %) spiegelt die schiere Panik wider.


August & September: Die verzweifelte Suche nach dem Fundament


Für den August gibt es kaum stützende Options-Konstrukte unterhalb von 80 USD. Einzig im September-Kontrakt gibt es Bemühungen, einen neuen Notboden einzuziehen: Genau bei 65 USD wurde eine frische Put-Konzentration von 1.958 Kontrakten gehandelt. Dass der vorbörsliche Kurs bei 64,46 USD exakt auf dieser Kante balanciert, ist kein Zufall. Es ist der Versuch, den freien Fall am letzten provisorischen Fangnetz zu stoppen.

Sollte dieser filigrane 65er-Boden im heutigen Hexensabbat brechen, gibt es nach unten kaum noch Gegenwehr vom Optionsmarkt. Das nächste auffällige und tragfähige Fundament im September liegt erst tief im Keller beim 40er Strike (3.147 OI).


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SpaceX (SPCX) am Optionsmarkt: Erntedankfest der Market Maker und Stillhalter


Was wurde nicht alles über den Börsengang von SpaceX berichtet. Der bemannte Flug zum Mars und absurde Kursziele von bis zu 800 USD machten die Runde – die Realität an der Börse sieht jedoch, wie so oft, nicht ganz so schwerelos aus, wie sie von Investmentbankern und Aktienanalysten gerne skizziert wird. Was die Analysten mit ihren komplexen Modellen für Empfehlungen abgeben, ist das eine – man kann es glauben oder nicht – aber die gehandelten Wetten am Optionsmarkt sind real. Aktuell notiert die Aktie unter ihrem IPO-Preis und gestern wurde ein geplanter Raketenstart abgebrochen – das sind insgesamt keine „good news“. Blickt man nun in das aktuelle Optionsregister von SpaceX, denkt man unweigerlich an das berühmte Zitat: „Houston – we have a problem!


Die aktuelle Options-Struktur: 125 USD als letzte Haltelinie


Für den heutigen Juli-Verfall liegt ein Großteil der stark nachgefragten Call-Optionen massiv aus dem Geld und verfällt wertlos. Relevanter für die weitere Kursentwicklung ist jedoch die Unterseite: Die ursprünglich stützenden Put-Konzentrationen bei 135 USD und 130 USD wurden vom Verkaufsdruck bereits signifikant durchschlagen.

Dass der Kurs vorbörslich bei rund 125 USD balanciert, resultiert primär aus einer starken Unterstützung im August-Register. Hier weisen die Daten ein erhebliches Open Interest von über 32.800 Put-Kontrakten exakt auf dem 125er-Strike aus. Es ist die vorerst letzte nennenswerte Haltelinie der Stillhalter.


Das statische Risiko für investierte Anleger ist offensichtlich: Sollte diese 125-USD-Marke im Zuge des heutigen Verfallstags auf Schlusskursbasis nachgeben, fehlt es im aktuellen Optionsbild an jeglicher Gegenwehr. Weder im August- noch im September-Register existieren darunter signifikante Put-Konzentrationen, die einen weiteren Absturz technisch abfedern könnten. Die nächste belastbare Unterstützung, die aufgrund ihres Volumens Relevanz besitzt, findet sich erst an der 100-USD-Marke. Dazwischen klafft eine auffällige Lücke im Volumenprofil.


SpaceX – Optionen: Prämienmaschine für die einen – Cash-Burner für die anderen


Wenige Tage nach dem Börsengang startete der Handel an den Optionsmärkten. Wie bereits auf Finanzmarktwelt berichtet wurde, flossen schon am ersten Handelstag Milliarden in Kaufoptionen (Calls). Das Prinzip dahinter ist so simpel wie brutal: Die Banken (Market Maker) haben den Anlegern in der Phase der Euphorie massenhaft solche Kontrakte für Kurse ab 135 USD aufwärts verkauft und dafür saftige Gebühren – die sogenannten Prämien – kassiert.


Solange der Kurs nun unter dieser Marke von 135 USD bleibt, gewinnen die Market Maker dieses Spiel auf ganzer Linie. Für sie ist der einstige IPO-Ausgabepreis die magische Grenze. Jedes Mal, wenn die Aktie auch nur den Versuch wagt, nach oben auszubrechen, verpufft die Bewegung. Um zu verstehen, warum dieses Phänomen mit mathematischer Präzision immer wiederkehrt, muss man einen Blick hinter die Kulissen der Market Maker werfen.


Diese agieren nämlich nicht als Zocker, sondern als eiskalte Statiker. Wenn sie den Anlegern massenhaft Kaufoptionen (Calls) verkaufen, gehen die Market Maker ein enormes Risiko ein: Steigt die Aktie explosionsartig, müssten sie die Papiere am Ende teuer am Markt zurückkaufen, um sie an die Optionsbesitzer auszuliefern. Um sich gegen dieses Schicksal abzusichern, betreiben sie ein mathematisches Risikomanagement (das sogenannte Delta-Hedging): Sie kaufen mit steigendem Aktienkurs selbst Anteile von SpaceX, um ihre Position neutral zu halten.


Beginnt die Aktie leicht zu steigen, müssen die Market Maker also SpaceX-Aktien kaufen, um sich abzusichern. Das treibt den Kurs kurzfristig künstlich nach oben. Die Anleger jubeln und wittern den Ausbruch zum Mars. Doch Optionen haben ein Ablaufdatum. Mit jedem Tag, den die Aktie nicht explosiv über die 135-USD-Marke schießt, schrumpft der mathematische Wert dieser Kaufoptionen drastisch (der berüchtigte Zeitwertverfall). Sobald der Kurs auch nur minimal stagniert oder leicht zurückfällt, schrumpft das Risiko der Market Maker schlagartig. Sie benötigen ihre Absicherungs-Aktien nicht mehr. Die Konsequenz? Sie werfen die zuvor gekauften SpaceX-Aktien in riesigen Tranchen wieder auf den Markt.


Dieser automatisierte Verkaufsdruck der Market Maker wirkt wie eine unsichtbare, tonnenschwere Decke. Jeder noch so ambitionierte Versuch der Aktie, den Kopf zu heben, wird durch die eigenen Absicherungsgeschäfte der Banken sofort wieder im Keim erstickt. Am Ende dieses perfiden Kreislaufs verfallen die Optionen der Kleinanleger wertlos – und die eingenommenen Prämien verwandeln sich endgültig in den reinen, risikofreien Gewinn auf den Konten der Stillhalter.


Aber Moment, müsste das System hier nicht zugunsten der Käufer kippen? Die Theorie des Marktes besagt schließlich: Wenn die Aktie auch nur leicht steigt, müssten die Market Maker doch eigentlich gezwungen sein, massiv Aktien zuzukaufen, um ihre Risiken abzusichern. Das wiederum müsste den Kurs wie bei einem klassischen „Gamma Squeeze“ geradezu raketenhaft nach oben treiben. Warum bleibt das Triebwerk also stumm?


Die Antwort liegt in der kalten Statik des Optionsmarktes und lässt sich auf zwei fatale Konstruktionsfehler im Traum der Kleinanleger reduzieren:


Die Distanz zur Startrampe und der fehlende Zünder


Der explosive Zwang zu massiven Leerkäufen durch die Market Maker entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern erst in unmittelbarer Nähe zum Ausgabepreis von 135 USD. Solange SpaceX bei 120 oder 125 USD herumdümpelt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Optionen am Ende einen echten Wert besitzen, statistisch gesehen marginal. Der Absicherungsbedarf der Market Maker reagiert hier unten in den Niederungen extrem träge. Ein Anstieg von 125 auf 128 USD lockt noch keinen Risikomanager aus der Reserve. Der viel beschworene Kaufdruck entfaltet seine Wucht erst, wenn das Fundament der 135er-Marke wirklich ins Wanken gerät. Bis dahin ist es für die Emittenten ein entspannter Spaziergang.


Optionsmarkt-Theorie: Der Faktor Zeit (Zeitwertverlust)


Hier schnappt die Falle endgültig zu. Optionen sind wie Eiswürfel in der sächsischen Sonne: Je näher der Verfallstag rückt, desto schneller schmilzt ihr mathematischer Zeitwert. Gleichzeitig weicht nach dem ersten IPO-Hype meist die Volatilität einer nüchternen Realität. Diese Kombination ist toxisch für jeden Ausbruchsversuch. Schmilzt die Zeit und fällt die Volatilität, sinkt das mathematische Risiko der Market Maker drastisch – selbst bei leicht steigenden Kursen!


Die absurde, aber logische Konsequenz der Markt-Statik: Die Market Maker müssen bei leichten Erholungen keine Aktien mehr zukaufen. Im Gegenteil. Die Modelle sagen ihnen, dass die Optionen ohnehin wertlos verfallen werden. Daher nutzen die Market Maker jeden zarten Kursanstieg sofort als willkommene Liquidität, um ihre verbliebenen SpaceX-Aktienberge in den Markt abzuverkaufen und ihre Gewinne zu sichern. Das vermeintliche Kaufsignal der Privatanleger wird von den Market Makern schlichtweg als Exit-Tür genutzt, was die Betondecke über dem Kurs nur noch dicker macht.


Fazit des Autors: Einschlag abwarten!


Wer bei SpaceX oder Rocket Lab aktuell auf einen schnellen Rebound spekuliert, ignoriert die Grundgesetze der Marktstatik und greift mit bloßen Händen in ein fallendes Messer. Solange die Market Maker das Geschehen dominieren und die implizite Volatilität nicht in sich zusammenfällt, bleibt die Seitenlinie der einzig sichere Aufenthaltsort.


Für beide Werte gilt: Bevor sich im Chart keine tragfähige Akkumulationszone herausbildet, die deckungsgleich mit einer massiven Unterstützung im Open Interest der Optionsmärkte ist, gibt es keinen Grund für heldenhafte Long-Einstiege. Sollten beide Titel ihren ungebremsten Sturzflug fortsetzen, können waghalsige Investoren das Niveau um 100 USD bei SpaceX und 40 USD bei Rocket Lab ins Visier nehmen.


Rechtlicher Hinweis & Haftungsausschluss: Die Options-Daten wurden mit Unterstützung von Gemini Pro analysiert. Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Investitionen sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Daten ist ausgeschlossen.

 

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