NVIDIA vor den Earnings: Das wichtigste Optionsmarkt-Setup der Woche
- Thomas Hartz
- 25. Aug.
- 5 Min. Lesezeit

Am Mittwoch nach Börsenschluss meldet NVIDIA Quartalszahlen – und kein anderes Unternehmen bewegt den Markt derzeit so stark. Als unangefochtener König der KI-Chips entscheidet der Bericht nicht nur über den Kurs der Aktie selbst, sondern setzt auch den Ton für den gesamten Halbleiter- und Tech-Sektor. Genau deshalb lohnt der Blick in den Optionsmarkt besonders:
Hier zeigt sich schon jetzt, wie das Smart Money die Erwartungen einpreist, wo die großen Call- und Put-Walls stehen und welches Kursziel die Stillhalter bis zum Verfall bei NVIDIA anvisieren. Die Analyse konzentriert sich auf den anstehenden Wochenverfall 28. August und wirft einen abschließenden Blick auf SMCI, den High-Beta-Wert auf NVIDIA.
NVIDIA am Optionsmarkt: Der rasante Premium-Shift
Die oberflächliche Betrachtung des Optionsmarktes suggeriert weiterhin eine Positionierung auf der Oberseite und signalisiert eine Wette auf ein weiteres "Beat & Raise"-Quartal. Insgesamt stehen im Wochenverfall gut 585.000 offenen Call-Kontrakten knapp 294.000 Put-Kontrakte gegenüber (OI Put/Call-Ratio: 0,50).
Doch der Blick auf das real investierte Kapital offenbart nach dem jüngsten Kursrückgang auf 208,50 USD eine drastische Verschiebung im Orderbuch gegenüber dem Freitagsschluss: In den Calls stecken derzeit rund 104 Millionen US-Dollar an Prämie, während die Put-Seite deutlich auf knapp 120 Millionen US-Dollar angewachsen ist. Das daraus resultierende Premium-Put/Call-Ratio ist über Nacht von 0,46 auf 1,14 gstiegen. Das institutionelle Kapital hat die gestrige Schwäche genutzt, um in erheblichem Umfang defensive Absicherungen aufzubauen.
Gleichzeitig wurden die oberen Call-Positionen weiter zementiert und ballen sich nun als massiver Widerstand an den Strikes 222,50 USD (knapp 50.000 Kontrakte), 230,00 USD (über 65.000 Kontrakte) und 240,00 USD (rund 57.000 Kontrakte).
Über den At-the-Money-Straddle am 210er-Strike preist der Markt bei einer impliziten Volatilität (IV) von rund 73 % eine erwartete Kursbewegung von lediglich ± 6,1 % (ca. 12,80 USD) ein. Dies spannt den rechnerischen Bewegungskorridor für die anstehenden Zahlen präzise zwischen 197,20 USD und 222,80 USD auf.
Transaktionsanalyse: Gezielter Volatilitätsverkauf bei 222,50 USD
Wie diese Call-Walls am Optionsmarkt errichtet wurden, belegt der Blick in die Transaktionsdaten (Time & Sales) des zentralen Widerstands-Strikes bei 222,50 USD. Bei einem kumulierten Volumen der vorangegangenen Handelstage von über 30.700 Kontrakten zeigt sich eine eindeutige institutionelle Handschrift:
Über 65 Prozent des Volumens (20.197 Kontrakte) wurden geräuschlos zum Mittelkurs (Mid) transferiert – angeführt von einem einzelnen Blocktrade über 10.000 Kontrakte um 10:07 Uhr (Prämienwert: 4,87 Millionen US-Dollar). Über 10.200 Kontrakte (rund ein Drittel des Gesamtvolumens) wurden direkt in das Geld (Bid) verkauft, darunter Tranchen von 4.900 und 2.000 Kontrakten.
Diese Daten belegen, dass institutionelle Akteure diesen Strike primär zur Einnahme von Volatilitätsprämien (Short Calls) und zur Absicherung genutzt haben, statt auf einen Kursausbruch zu spekulieren.
Der Deckel bei 230 USD und synchrone Spread-Muster
Die Auswertung der Transaktionsdaten für den 230er-Call komplettiert das Bild. Der zeitliche Abgleich belegt das Vorliegen hochgradig koordinierter Spread-Strukturen, die selbst im jüngsten Kursrücksetzer eisern verteidigt wurden.
Bereits im Vorfeld wurden auf den Strikes 222,50 USD und 230,00 USD zeitgleich identische Blockgrößen von 10.000 Kontrakten sowie Tranchen von jeweils 2.000 und 4.900 Kontrakten platziert. Am Montag zeigte sich diese Mechanik erneut: Exakt um 11:44:13 Uhr kaufte ein Akteur 2.000 Kontrakte des 220er-Calls am Briefkurs, während simultan 2.000 Kontrakte des 230er-Calls am Geldkurs (Bid) leerverkauft wurden. Über den gesamten gestrigen Handelstag dominierte beim 230er-Strike mit über 18.400 Kontrakten der aggressive Leerverkauf auf der Geldseite.
Diese synchrone Platzierung schließt Zufallsmuster aus. Institutionelle Marktteilnehmer haben gezielt vertikale Call-Spreads und gedeckte Stillhalterstrukturen etabliert, um die vor den Zahlen aufgebaute Volatilitätsprämie verfallend einzustreichen. Die 230 USD-Call-Wall ist keine gewöhnliche Hürde, sondern die absolute Spitze der Gamma-Exposure einer hochkomplexen Absicherungskonstruktion. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde diesen Akteuren spürbare Verluste zufügen – weshalb sie ihn durch aggressives Leerverkaufen (Delta-Hedging) der NVIDIA-Aktie bis zur letzten Sekunde verteidigen werden.
Gamma-Exposure und Gravitationszentrum: Max Pain bei 215 USD
Die Marktstruktur wird durch die mathematische Mechanik des Delta-Hedgings bestimmt. Die Zone zwischen 222,50 USD (+35,38 Mio. Net Gamma) und 230,00 USD (+32,77 Mio. Net Gamma) bildet weiterhin eine massive Gamma-Barriere.
Auf der Unterseite hat sich durch den Kursrutsch ein neues Fundament formiert: Am Strike bei 200,00 USD türmt sich nun die stärkste Put-Wall des Wochenverfalls auf. Mit über 25.600 offenen Kontrakten und einer Net-Gamma-Exposure von -18,72 Mio. fungiert diese Marke als mechanischer Puffer. Die Time & Sales-Daten belegen hierbei nervöses Hedging: Mehr als 50 Prozent des Volumens wurden direkt zum Briefkurs (Ask) aus dem Orderbuch gekauft, um hastig Absicherungen einzuziehen.
Inmitten dieses Korridors liegt das Gravitationszentrum: Der Punkt des maximalen finanziellen Schmerzes für Optionskäufer (Max Pain) liegt für den Verfall am Freitag stabil bei exakt 215 USD. Da die Aktie bei rund 208,50 USD notiert, agiert diese Marke als magnetischer Anker nach oben.

Optionsmarkt-Ausblick: Die Neuordnung im September
Ein Blick auf den großen monatlichen Verfallstag am 18. September 2026 zeigt, wie institutionelle Akteure das Spielfeld nach dem Abklingen des Earnings-Events abstecken:
Das Put/Call-Ratio gleicht sich mit rund 1,05 Millionen Calls gegenüber 874.000 Puts auf 0,83 an, während die implizite Volatilität auf rund 43 Prozent zurückgeht. Am Strike 180 USD liegt mit über 66.000 Kontrakten unverändert das größte offene Put-Interesse und gleichzeitig die stärkste Put-Stütze des Monats (-11,8 Mio. Net Gamma), womit diese Zone als primäres Auffangbecken für eine übergeordnete Konsolidierung definiert ist.
Auf der Oberseite staffelt sich der Widerstand von der höchsten Net-Gamma-Exposure bei 240 USD (über 64.000 Calls) bis zum maximalen Open Interest bei 250 USD (knapp 85.000 Kontrakte). Der Markt steckt für den Frühherbst somit einen weiten, aber klar umrissenen Konsolidierungskorridor zwischen 180 und 240 USD ab.
Fazit der Gesamtbetrachtung
Die Architektur des NVIDIA-Optionsmarktes deutet auf eine kontrollierte Einhegung der nachbörslichen Kursreaktion hin. Trotz hoher nomineller Call-Volumina begrenzen die massiven Blocktrades bei 222,50 USD sowie die Gamma-Wände bei 230,00 USD das realistische Aufwärtspotenzial im Rahmen des vom Markt eingepreisten 6-Prozent-Korridors.
Sofern der Quartalsbericht nicht zu einer fundamentalen Neubewertung außerhalb der Spanne von 197 bis 223 USD führt, droht Optionspositionen oberhalb dieser Begrenzung nach Bekanntgabe der Ergebnisse eine rapide Entwertung durch die Implosion der impliziten Volatilität (IV-Crush). Die Stillhalter haben das Spielfeld so abgesteckt, dass das maximale Prämienvolumen bis zum Verfall am Freitag wertlos verfällt, bevor sich der institutionelle Fokus auf die breitere September-Spanne verlagert.
Super Micro Computer (SMCI): Der ungefilterte Hebel
Wenn NVIDIA der König der KI-Chip-Industrie ist, dann ist SMCI sein Erster Werkmeister. Das Unternehmen baut die physischen Server-Racks und flüssigkeitsgekühlten Systeme, in die NVIDIAs H100- und Blackwell-Architekturen integriert werden.
Am Aktienmarkt fungiert SMCI de facto als NVIDIA-Hebel. Das Beta liegt hier im direkten Vergleich oftmals deutlich über 1,5. Zieht NVIDIA nach oben, steigt SMCI überproportional; verliert NVIDIA, droht bei SMCI ein schlagartiger Einbruch. Die Volatilität ist hier noch ausgeprägter, da Marktkapitalisierung und Liquidität spürbar geringer ausfallen.
SMCI am Optionsmarkt: oben gedeckelt – unten offen
Ein Blick in das SMCI-Optionsbuch für den 28. August verdeutlicht diese Funktion als Seismograph. Die spekulative Schieflage übertrifft die Konstellation bei NVIDIA nochmals: Mit über 151.800 offenen Call-Kontrakten gegenüber lediglich 43.400 Puts liegt das Put/Call-Ratio (Open Interest) bei extrem niedrigen 0,28. Gleichzeitig preist der Markt über den At-the-Money-Straddle am 35er-Strike eine erwartete Kursbewegung von rund ± 6,6 Prozent ein.
Das Gamma-Profil offenbart dabei eine gefährliche Asymmetrie: Während die Stillhalter auf der Oberseite zwischen 38 USD (+1,29 Mio. Net Gamma) und 38,50 USD (+1,81 Mio. Net Gamma) eine massive Verkaufsdecke eingezogen haben, fehlt auf der Unterseite jegliches institutionelle Auffangnetz. Die stärkste Put-Stütze liegt bei 34 USD und fällt mit -160.500 Net Gamma im Gesamtkontext verschwindend gering aus. Der Max Pain für den 28. August liegt punktgenau am aktuellen Notierungsniveau bei 35 USD.
Sollte der NVIDIA-Bericht am Mittwochabend die hochgesteckten Erwartungen auch nur minimal verfehlen oder die Aktie im Max-Pain-Magneten bei 215 USD erstarren, fehlt SMCI nach unten die stabilisierende Wirkung automatisierter Rückkäufe durch das Delta-Hedging. Das Fehlen einer tragfähigen Put-Bodenplatte macht SMCI zum verlässlichsten Kontrollindikator für die tatsächliche Substanz der gesamten KI-Bewegung.
Rechtlicher Hinweis & Haftungsausschluss: Die Optionsmarkt-Daten wurden mit Unterstützung von Gemini Pro analysiert. Diese Analyse dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel mit Derivaten und Optionen ist mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Daten ist ausgeschlossen. Datenbasis: www.barchart.com (Stand: 24. August 2026).




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