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CDS im Steilflug bei Oracle: Was der Optionsmarkt über das Kreditrisiko verrät

  • Autorenbild: Thomas Hartz
    Thomas Hartz
  • 22. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Juli

OracleCDS


Zwischen KI-Hype und Schuldturm: Eine genaue Analyse, wie der Optionsmarkt die Bonitätsrisiken von Oracle einpreist.


Oracle, einst ein Star der Cloud-Infrastruktur, ist aktuell relativ hoch verschuldet – mit über 120 Milliarden USD Total Debt. Das ist für ein Unternehmen dieser Größenordnung beachtlich und resultiert vor allem aus den massiven Investitionen in den Ausbau der KI-Infrastruktur. Das Unternehmen plant für 2027 weitere ca. 40 Mrd. USD an Debt und Equity-Finanzierung. Am 9. Juli stufte die Ratingagentur S&P Global die Kreditwürdigkeit von BBB auf BBB- herab. Dies ist die niedrigste Stufe im sogenannten Investment-Grade-Bereich. Das Unternehmen befindet sich damit nur eine Stufe über dem sogenannten Ramsch- oder Spekulationsniveau (Junk-Status).


In den letzten Tagen sind die CDS (Credit Default Swaps) auf Oracle spürbar gestiegen. Ein Blick auf die aktuellen Positionierungen am Optionsmarkt zeigt zudem, wie sich institutionelle Investoren gegen potenzielle Bilanzrisiken absichern. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (Stand: Schlusskurs 21. Juli 2026).


Oracle – Chart: Kursniveau vom Liberation-Day erreicht


Der 10. September 2025 wird so manchem Oracle-Aktionär schmerzhaft in Erinnerung bleiben. An diesem Tag markierte die Oracle-Aktie ein Hoch bei über 345 USD, und man könnte zynisch behaupten, dass am 11. September 2025 der Oracle-Wolkenkratzer einzustürzen begann. Seitdem ging es um über 60 Prozent bergab, aktuell notiert die Aktie bei 127,05 USD (Schlusskurs 21. Juli). Anfang April 2025, kurz nach dem Liberation Day, dem Tag, an dem Donald Trump seine berühmten Zolltafeln der irritierten Weltgemeinschaft präsentierte und die Börsen ins Chaos stürzte, notierte die Oracle Aktie bei knapp 119 USD, fast auf dem gleichen Niveau wie heute.


Ein Blick auf den Optionsmarkt zeigt, dass die institutionellen Adressen das drohende Herabstufungs-Szenario der Ratingagenturen keineswegs auf die leichte Schulter nehmen. Die Optionsketten für die anstehenden Verfälle im August, September und Oktober 2026 zeichnen das Bild einer defensiven Vollkaskoversicherung.


Die zweiseitige Medaille: Defensive Absicherung und das Risiko eines Short-Squeezes


Ein genauer Blick in das Open Interest der August- und September-Register zeigt jedoch, dass das Smart-Money hier keineswegs pauschal auf einen unkontrollierten Crash setzt. Die statistische Struktur der tief im Geld liegenden Put-Optionen bei geringem tagesaktuellen Handelsvolumen offenbart eine hochinteressante Dynamik: Das massiv hohe Open Interest bei tief im Geld liegenden Puts (wie dem 130er- und 140er-Strike im August) bei überschaubarem täglichen Handelsvolumen ist der klassische Beleg für langweilige, aber kompromisslose Bilanzabsicherung. Große institutionelle Bestandsinhaber, die Oracle-Aktien im Portfolio halten, haben diese Puts vor längerer Zeit eingekauft und lassen sie im Bestand liegen, um ihr Abwärtsrisiko gegenüber dem frischen BBB--Rating zu decken.


Das Risiko eines Gamma-Squeezes


Sollte Oracle in den kommenden Wochen positive operative Nachrichten liefern – etwa überraschend starke Cloud-Zahlen oder eine Entlastung bei der Refinanzierung –, und der Aktienkurs dynamisch über die Marken von 130 oder 140 USD ausbrechen, schlägt der Mechanismus gnadenlos um. Die Stillhalter (Market Maker), die diese tief im Geld liegenden Puts am Optionsmarkt verkauft haben, sind delta-hedged abgesichert und müssten bei steigenden Kursen massiv Aktien zurückkaufen.


Gleichzeitig würden diese tiefen Put-Optionen schlagartig an innerem Wert verlieren, während die implizite Volatilität kollabiert (IV-Crush). Sollte sich das fundamentale Sentiment also wider Erwarten aufhellen, bietet genau dieses hochgradig abgesicherte Marktumfeld den perfekten Treibstoff für einen heftigen, dynamischen Short- bzw. Put-Squeeze.


September-Verfall: Das Smart-Money zieht am Optionsmarkt den Schutzwall hoch


Im September-Kontrakt schlägt das Pendel spürbar um. Das Put-Call-Ratio klettert auf 0,80, und das Absicherungsvolumen gewinnt massiv an Tiefe. Die Schwerpunkte im Open Interest ballen sich unübersehbar bei den Strikes von 140 USD (knapp 11.000 Kontrakte) und 150 USD (über 12.600 Kontrakte).


Angesichts eines Aktienkurses im mittleren 120er-Bereich bedeuten Put-Optionen mit diesen Strikes massive innere Werte und erhebliche Prämien-Kosten. Dass das Smart-Money hier im großen Stil Kapital bindet, zeigt, dass die großen Adressen über den Spätsommer hinaus nicht darauf vertrauen, dass sich die angespannte Lage an der Schuldenfront in Wohlgefallen auflöst.


Oktober-Verfall: Parität im Herbst


Für den Oktober-Monatsverfall gleicht sich das Verhältnis zwischen Käufern und Verkäufern am Optionsmarkt mit einem Put-Call-Ratio von 1,01 (je rund 68.000 Kontrakte) exakt aus. Die Put-Wände staffeln sich hier sauber von 120 bis 140 USD durch, begleitet von impliziten Volatilitäten, die konstant im hohen Bereich von rund 69 % bis 73 % verharren. Die Stillhalter am Terminmarkt preisen die anhaltenden Kredit- und Bilanzrisiken somit voll ein.

 

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November und Dezember: Das gespaltene Jahresend-Finale


Der Blick auf die finalen Verfälle des Jahres 2026 zeigt die Zerrissenheit des Optionsmarktes zum Jahresende:


November (PCR 1,22): Die Puts dominieren nun spürbar das Bild. Mit Schwerpunkten beim 140er-Strike (über 4.600 OI) sowie breiten Absicherungen zwischen 110 und 120 USD zieht das Smart-Money den doppelten Boden für den Spätherbst ein.


Dezember (PCR 0,78): Hier prallen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite steht die Put-Festung im Keller (massives Open Interest bei den Strikes zwischen 110 und 150 USD), die den ultimativen Krisenschutz darstellt. Auf der anderen Seite explodiert das Open Interest bei den Calls in astronomische Höhen – angeführt von über 20.000 Kontrakten allein am 250er-Strike, begleitet von spekulativen Wetten bis hin zu 350 und 500 USD. Während Pessimisten also realistische Bilanzsorgen absichern, reiten unerschütterliche Optimisten auf der Hoffnung eines exogenen KI-Wunders.


Fazit


Die im Steilflug begriffenen Credit Default Swaps und die frisch gezogenen Put-Mauern im Optionsmarkt senden ein unmissverständliches Signal. Während an der Aktienbörse im Dezember vereinzelt noch auf astronomische Kursziele spekuliert wird, zieht das Smart-Money im Derivate-Markt den Notfallschirm ein. Wer bei Oracle blind auf eine schnelle Erholung setzt, ignoriert die massiven Schutzwälle, die institutionelle Investoren angesichts der drückenden Schuldenlast und des schrumpfenden Puffers zum Junk-Status längst errichtet haben.


Rechtlicher Hinweis & Haftungsausschluss: Die Options-Daten wurden mit Unterstützung von Gemini Pro analysiert. Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Investitionen sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Daten ist ausgeschlossen. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (Stand: Schlusskurs 21. Juli 2026).

 

 

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