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Palantir-Earnings: Angriff aufs Allzeithoch?

Autorenbild: Thomas Hartz
Thomas Hartz
6. Aug.
5 Min. Lesezeit

Palantir_Earnings

Spektakuläre Quartalszahlen, ein euphorisches Analysten-Lager und ein massives Breakaway-Gap: Während Palantir-Aktionäre feiern, wettet der Optionsmarkt in Richtung Allzeithoch – eine Analyse.


Palantir Quartalszahlen: Otherwordly


Das von Tech-Milliardär Peter Thiel gegründete Unternehmen Palantir hat am 3. August spektakuläre Quartalszahlen vorgelegt und die Erwartungen klar übertroffen. Der Umsatz stieg um 93 Prozent auf 1,94 Milliarden USD, das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 0,41 USD und damit deutlich über den erwarteten 0,35 USD. Besonders eindrucksvoll war das US-Commercial-Geschäft: Hier legte der Umsatz um 149 Prozent auf 764 Millionen USD zu. Das Regierungsgeschäft wuchs um 90 Prozent ebenfalls stark an. Damit hat Palantir im zweiten Quartal mehr Gewinn erzielt, als es im Vorjahresquartal insgesamt an Umsatz gemacht hatte.


CEO Alex Karp nannte das Quartal ekstatisch „otherworldly“ (nicht von dieser Welt) und sprach von einer anhaltenden Nachfrage nach „AI Sovereignty“. Das Management hat die laufende Prognose deutlich angehoben:


Für 2026 prognostiziert man einen Gesamtumsatz von ca. 8,15 Milliarden USD, dies entspricht einem Wachstum von ca. 82 Prozent. Beim US-Commercial-Umsatz erwartet man nun über 3,42 Milliarden USD, ein Wachstum von mindestens 134 Prozent.


Analystenreaktion Palantir


Der Earning-Beat wurde am Markt euphorisch aufgenommen und bescherte der Palantir-Aktie in der Spitze einen massiven Kurssprung von rund 30 Prozent. Die Zahlen zwangen auch die Wall Street zum kollektiven Umdenken: Renommierte Analystenhäuser wie die Deutsche Bank, UBS und Citi reagierten mit einer Flut von Upgrades und schraubten ihre Prognosen deutlich nach oben. Während die kühnsten Schätzungen nun bis in den Bereich von 245 USD reichen, hat sich der breite Konsens der Experten mittlerweile auf ein durchschnittliches Kursziel von 190 bis 200 USD eingependelt.


Nach dem starken Kursanstieg stellt sich nun die entscheidende Frage: Wie positioniert sich das Smart Money am Optionsmarkt? Reicht der Momentum-Schub aus, um die Palantir-Aktie nachhaltig in Richtung des Allzeithochs bei 207 USD zu tragen?


Ein Blick auf den Chart und die Optionsdaten vom 4. August liefert dazu aufschlussreiche Hinweise. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (4. August).


Breakaway-Gap bei Palantir


Der Earning-Beat hat eine große Aufwärtslücke in den Palantir-Chart gerissen. Der Schlusskurs am 3. August lag bei rund 125 USD, der erste Eröffnungskurs einen Tag später bei ca. 145 USD. Das nennt man in der Analystensprache ein Breakaway-Gap. Historische Daten zu Breakaway-Gaps dieser Größenordnung zeichnen ein klares Bild:


Die Wahrscheinlichkeit, dass die Lücke innerhalb der nächsten 30 Tage geschlossen wird, liegt bei lediglich rund 25 Prozent. Bleibt das Gap hingegen offen, steigt die Chance auf deutlich höhere Kurse nach einem Monat auf etwa 75 Prozent. Schließt der Kurs die Lücke jedoch, bricht die Dynamik des Ausbruchs weitgehend zusammen – die Wahrscheinlichkeit für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends sinkt dann auf rund 45 Prozent.


Gewichtet man beide Szenarien nach ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit, ergibt sich für den 30-Tage-Horizont nach einem solchen Breakaway-Gap eine Gesamtwahrscheinlichkeit von über 67 Prozent, dass der Kurs nach einem Monat höher notiert als zum Zeitpunkt des Ausbruchs. Das ist die statistische Grundlage der Wette auf ein neues Allzeithoch, die derzeit über den Optionsmarkt gespielt wird.


Das Volumen am Optionsmarkt zeigt ein überzeugendes Muster: Die dominantesten und am meisten gehandelten Optionskontrakte konzentrieren sich auf die Call-Strikes bei 150 USD, 155 USD und das ehrgeizige Kursziel von 200 USD. Die Market Maker stehen unter großem Absicherungsdruck. Erst ein tiefer Blick in die Time & Sales-Bücher (T&S) der letzten Handelstage zeigt, wie diese Marken tatsächlich gehandelt werden.


Der 150- und 155-USD-Call: Aggressiver Order-Flow


Die ehemalige Widerstandszone rund um 155 USD wurde nach den Zahlen nicht nur getestet, sondern durch massiven Order-Flow regelrecht überrannt und in ein neues Akkumulationsfundament umgewandelt. Obwohl der Gamma-Flip des Marktes bereits viel tiefer im Bereich von 125 USD lag und die Gesamtstatik von kursstabilisierendem positiven Gamma geprägt ist, diktierten die aggressiven T&S-Daten für den September-Verfall (18.09.) am 4. August die kurzfristige Dynamik der Palantir-Aktie:


Beim 150er-Call zeigt das Orderbuch eine absolute Dominanz der Käufer. 1.392 Kontrakte wurden direkt aus dem Briefkurs (Ask) gekauft, was einem Prämienvolumen von 1,79 Millionen USD entspricht. Auf der Geldseite (Bid), wo klassischerweise Gewinne mitgenommen werden, standen lediglich Verkäufe in Höhe von 466.000 USD. Bereits am Vortag wurden gigantische Block-Trades (bis zu 1.500 Kontrakte) unauffällig durch die Mitte der Spanne (Mid) geschleust – ein klassischer Fußabdruck des Smart Moneys am Optionsmarkt.


Beim 155-USD-Call ein ähnliches Bild: Über 1,87 Millionen USD Prämie wurden am 4. August aggressiv am Ask abgeräumt, während auf der Verkäuferseite nur 842.000 USD umgesetzt wurden. Wer solche Summen direkt am Ask zahlt, zwingt die Market Maker in eine Short-Position. Zur Absicherung mussten sie entsprechend Palantir-Aktien am Kassamarkt kaufen – der Impuls, der den Kurs in der Spitze über 166 USD trieb.


Sobald dieser kurzfristige Kaufzwang abgearbeitet ist, greift wieder die übergeordnete Marktstatik. Der Palantir-Optionsmarkt steckt derzeit tief in positivem Gamma: Allein am 155-USD-Strike liegt die Net Gamma Exposure bei rund 20 Millionen USD, aggregiert über alle Strikes sogar bei über 135 Millionen USD (bei 165 USD steigt sie auf etwa 211 Millionen USD).


Auf den ersten Blick erscheinen diese Gamma-Summen angesichts eines täglichen Handelsvolumens von zeitweise knapp 10 Milliarden USD gering. Doch das ist eine Illusion des Kassamarktes. Ein Großteil dieses Volumens ist richtungsloses Rauschen von Hochfrequenz-Algorithmen. Das Gamma-Hedging hingegen wirkt als einseitige, preisunabhängige Kraft: Die Market Maker müssen mechanisch handeln. In einem oft dünnen Live-Orderbuch ist genau diese gerichtete Liquidität das Zünglein an der Waage.


Das hat klare Konsequenzen: Bei steigenden Kursen müssen die Market Maker zur Absicherung Palantir-Aktien verkaufen – die Rallye wird zäh. Fällt der Kurs hingegen zurück auf die 155-USD-Marke, entlädt sich dasselbe positive Gamma in einen mechanischen Kaufzwang. Sie werden zum Stoßdämpfer und stützen den Markt. So zementiert der Optionsmarkt eine technische Unterstützung, die tiefere Einbrüche deutlich erschwert.


Der 200-USD-Call: Das Kursziel am Optionsmarkt


Das Analystenziel von DA Davidson und der Deutschen Bank liegt bei 200 USD – und der Optionsmarkt setzt diese Marke konsequent als Ausbruchswette um.

Am 4. August rissen am 200er-Call für den September-Verfall alle Dämme. Überwältigende 4.180 Kontrakte (Prämienvolumen: 805.000 USD) wurden direkt am Ask gekauft. Dem gegenüber standen nur 1.989 Bid-Kontrakte (473.000 USD). Bemerkenswert ist die Struktur dieser Käufe: Das sind keine Kleinstorders, sondern schwere Brocken. Ganze 42 Block-Trades mit einer Größe von 50 Kontrakten oder mehr gingen durch die Bücher. Allein am Vormittag wurden mehrfach 500er-Blöcke am Ask eingesammelt. Das Smart Money untermauert die 200-USD-Marke am Optionsmarkt mit echtem Kapital.


Die Put-Seite: Der Fallschirm im Keller


Sollte die neu gewonnene 150/155er-Marke als Unterstützung brechen, gibt es zunächst am Optionsmarkt viel luftleeren Raum. Unterhalb dieses Niveaus dünnt die Gamma-Exposure rapide aus. Im nahen August-Verfall spannt sich der erste ernstzunehmende Fallschirm an den Put-Walls bei 130 USD (ca. 14.100 Kontrakte Open Interest) und 125 USD (ca. 15.500 Kontrakte) auf. Für den strukturell wichtigeren September-Verfall liegt das absolute Fundament sogar erst im Bereich von 120 USD, wo eine Put-Wall von über 21.000 Puts wartet.


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Fazit: Buy the Dip – Strategie


Die Time & Sales-Analyse bestätigt: Der aktuelle Ausbruch bei Palantir wird von institutionellem Kapital am Optionsmarkt getragen, das strukturell den Herbst-Verfall bindet und die 200-USD-Marke im Visier hat.

Zwar signalisiert ein Put/Call-Ratio am Optionsmarkt unter 0,50 normalerweise eine übertriebene Euphorie und eine mögliche Kleinanleger-Blase. Doch die Time-&-Sales-Daten zeichnen ein anderes Bild. Die massiven Call-Käufe lassen sich eindeutig dem Smart Money zuordnen – erkennbar an zahlreichen Block-Trades von 500 Kontrakten und mehr. Dadurch verwandelt sich das vermeintliche Warnsignal in eine Bestätigung der starken institutionellen Schubkraft.


Das Optimisten-Szenario: Die Zone zwischen 150 und 155 USD bietet sich an, um Kursrücksetzer für den Aufbau einer Long-Position zu nutzen. Solange der Kaufzwang der Market Maker diesen Bereich stützt, bleibt das übergeordnete Kursziel von 200 USD intakt. Zur Absicherung ist ein Stop-Loss bei 145 USD sinnvoll. Fällt der Kurs nachhaltig unter 150 USD, bricht das Fundament dieser Ausbruchswette weg.


Das Pessimisten-Szenario: Fällt die 150-USD-Unterstützung, rückt das offene Breakaway-Gap ins Zentrum. Eine Spekulation auf einen klassischen Gap-Close zielt auf einen schnellen Kursrückgang in Richtung 125 USD ab. Abgesichert wird dieses Short-Szenario durch einen engen Stop-Loss knapp über der 155-USD-Marke, um das Risiko einer Wiederaufnahme der Rallye bei Palantir strikt zu begrenzen.


Rechtlicher Hinweis & Haftungsausschluss: Die Options-Daten wurden mit Unterstützung von Gemini Pro analysiert. Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Investitionen am Optionsmarkt sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Daten ist ausgeschlossen. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (Schlusskurs 05. August).

 

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